Ein Nachtlicht


PUCK
„How now spirit, wither wander you?"

FAIRY
„Over hill, over dale,
Thorough bush, thorough brier,
Over park, over pale,
Thorough flood, thorough fire,

I do wander everywhere,
Swifter than the moon's sphere;


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Written Art

Fluchtrouten 2015-2024


Wir bleiben in der Pinakothek der Moderne. Zwei Stockwerke höher stellt sich mir gleich wieder eine Frage: Ist es legitim, aus Fluchtrouten Kunst zu machen? So nach dem Motto: Alle sehen nur das Sachlich-Politisch-Kartografische, aber ich sehe die Kunst. Denkt sich das Alfredo Jaar, der Künstler des plakativen Exponats am Eingang? Ich frage aus der Erfahrung des Designers heraus, der schon einmal ein Motiv des sozialen Elends für den New-York-City-Lifestyle verwendet und dafür einen zurechtweisenden Kommentar kassiert hat.

Ich behalte alles für mich und genieße die Ruhe und Weitläufigkeit dieser heiligen Hallen. Wie eine Moritat leiert mir der Schlusssatz aus der „Feuerzangenbowle” im Kopf rauf und runter. Zum Jahresende bleibt dieser kitschige Epilog als Ohrwurm hängen: „Wahr sind nur die Erinnerungen, die wir mit uns tragen, die Träume, die wir spinnen, und die Sehnsüchte, die uns treiben. Damit wollen wir uns bescheiden.“ – Viel ist ohnehin nicht mehr übrig.

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Paula Scher – Type is Image

Sabine auf der „Showtreppe“


„Ohne Begeisterung ist noch nie etwas Großes geschaffen worden.“
Ralph Waldo Emerson



Lange nichts mehr über Typografie geschrieben. Jetzt, am zweiten Weihnachtstag, unserem rituellen Ausstellungsbesuchstag, gleich zwei Highlights an einem Ort. In der Pinakothek der Moderne passen Paula Schers Dauerausstellung „Type is Image“, die bereits seit Mitte ’23 steht, und die neu im Dezember eröffnete Written-Art-Ausstellung „Sweeter than Honey“ wunderbar zusammen – wobei das Design im Keller verräumt ist und die freie Kunst in den oberen Etagen logiert. Das ganze Haus ermäßigt für sieben Euro, ein Schnäppchen sozusagen. Paula Scher kenne ich ja aus der Helvetica-Doku, schon fast wieder 20 Jahre her. Den Film zeige ich gelegentlich im Unterricht, hier äußern sich einige weltbekannte Typograf*innen über ihr Verhältnis zur am weitesten verbreiteten Schrift der westlichen Welt. Und Paula Scher mag die öde Helvetica genauso wenig wie ich.

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„Das Märchen von der Vernunft“

Erich Kästner, Foto 1: IMAGO, Sven Simon


Vom Sommerurlaub 2025 bleibt mir eine brillante Kästner-Kurzgeschichte im Gedächtnis, die ich unbedingt mit ins neue Jahr nehmen will. Alles, was nun folgend zwischen den Anführungszeichen steht, stammt aus der Feder des großen Dresdner Literaten:

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Böhmische Dörfer

St. Georg in Horní Slavkov


Meinen Schüler*innen müsste ich jetzt erklären, dass es sich bei der Headline um eine deutsche Redewendung handelt, die ausdrückt, dass einem etwas völlig unbekannt, unverständlich oder fremd ist. Mein Vater stammt aus einem solchen böhmischen Dorf, und tatsächlich bin ich immer mehr verwundert darüber, wie wenig man darüber wusste. Sicher, da gibt es eine Handvoll Anekdoten, aber gemessen an dem, was andere an belastbaren Fakten in ihrer Ahnenforschung vorzuweisen haben, ist die Herkunft meines Vaters für mich buchstäblich ein böhmisches Dorf geblieben.

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Fin de Siècle

Foto: AdobeStock


Da ich das Jahr 2025 mit dem Jugendstil begonnen habe, kann ich jetzt am Ende den Sack getrost zumachen. Camille Claudel ist natürlich (noch) keine Jugendstilkünstlerin, aber die Zeit der Jahrhundertwende prägt ganz erheblich ihr Schaffen. So ist in Paris nicht nur der Impressionismus ihres Mentors Rodin allgegenwärtig, sondern auch die gusseisernen Fantasien eines Hector Guimard. Man möge mir verzeihen, wenn ich eine edle Bronze wie den „Walzer“ beispielsweise mit den Geländeausläufern der Pariser Métro vergleiche, aber eine gewisse Ähnlichkeit mit dem wallenden Kleid der Tänzerin ist unverkennbar. Was daran liegt, dass in jener Epoche, sowohl in der Kunst als auch im Design, das organische Prinzip der Natur nachempfunden wird. Was beim Ingenieur zum markanten Jugendstil wird, ist bei der Künstlerin formal noch völlig frei.

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Camille – Sternbild Schütze*

Bildquelle WikimediaCommons


„Ich hätte lieber einen attraktiveren Beruf. Wenn ich noch einmal meine Karriere wechseln könnte, würde ich das vorziehen. Diese unglückliche Kunst ist eher für lange Bärte und hässliche Gesichter als für eine relativ gut ausgestattete Frau gemacht.“ – Camille Claudel


Anfang der Achtzigerjahre bin ich auf meiner Parisreise sichtlich überfordert vom Format der Metropole. An einem Nachmittag findet sich dann unverhofft eine Oase der Ruhe in der Anlage des Musée Rodin, mit seiner wundervollen Gartenarchitektur und all seinen erlesenen Skulpturen und Plastiken. Hier hat man nur Augen für die „Bürger von Calais“, den „Denker“ oder die wuchtige Figur des „Balzac“. Obwohl die kleinen Tonmodelle und Vorstudien ebenso wunderbar sind. Allerdings ordne ich das gesamte Œuvre dem Meister allein zu, obwohl sich im Musentempel an der Rue de Varenne sicher auch zahlreiche Arbeiten von Camille Claudel befinden. Für diese außergewöhnliche Künstlerin bin ich zu diesem Zeitpunkt noch völlig blind – Asche auf mein Haupt. Jahre später sitzen wir mit Freunden andächtig im ARRI-Kino und lassen uns von Isabelle Adjani becircen.

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Kult(ur) der Eiszeit


Die Deutsche Post hat auch in diesem Jahr wieder sehr schöne, kleine Kunstwerke zum kleinen Preis, beispielsweise zu 95 Cent, die kann sich jeder leisten. Ich kaufe dann immer einen ganzen Batzen, damit ich meine Weihnachtsbotschaft auf analogem Wege verteilen kann. Die Weihnachtsmotive für Briefmarken sind allerdings selten ohne Heilige Familie zu haben, doch es gibt Alternativen: Das Design mit den eiszeitlichen Artefakten finde ich sehr gelungen. Zumal es auf mein Weihnachtsthema „Skulptur“ prima einstimmt. Außerdem mache ich mir immer mal wieder Gedanken, was denn nun den Menschen zuerst künstlerisch beschäftigt hat, Grafik, Malerei oder Bildhauerei?

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Das Mädchen mit den Schwefelhölzern

Fotovorlage: AdobeStock


Der November, im französischen Revolutionskalender Brumaire = Nebelmonat genannt, ist vor allem für lebenserfahrene Erwachsene ein recht elegischer Zeitraum. Vielleicht weil man schon so viel Sentimentales darüber gelesen hat: „Im traurigen Monat November war's, die Tage wurden trüber, …“, so in der Art. Als Kind waren mir die Jahreszeiten noch alle gleich sympathisch, und der November bot mit dem Martinsumzug eine erste spannende Einstimmung auf behagliche Rituale, in einer Zeit ganz ohne Medienterror. Wenn man jetzt seine Alltagsabläufe Revue passieren lässt, ist es schwer vorstellbar, wie man damals ohne moderne Kommunikationsmittel den Tag organisieren konnte. Aber ist schnellere Datenverarbeitung grundsätzlich ein Segen?

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Kommt ein Wanderer des Wegs

Cover mit Hund Feldmann


Die Vorstellung des Daumenkinographen Volker Gerling hat mich auf wundersame Weise in die Achtzigerjahre zurückgeschickt. Wenngleich es künstlerisch keine Überschneidungen gibt, so ist doch das Wandern über die Langstrecke als Selbsterfahrung und vor allem das Zwischenmenschliche des Projekts recht verwandt mit dem, was Michael Holzach im Jahr 1980 unternahm.

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