„A republic, if you can keep it.“

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Es gibt so Sätze, die im Kopf rotieren, gerade in letzter Zeit, in der man fast glauben mag, sich an Zerstörung und Dekadenz gewöhnen zu müssen. Das berühmte Zitat oben wurde das erste Mal wieder in der Presse aufgewärmt, als Trump seine Wiederwahl versemmelte und seinen Mob Richtung Capitol schickte. Da traute man seinen Augen nicht, wie schnell das geht. Good things happen slowly, bad things happen fast.¹

Die Amerikanische Revolution von 1776 wurde in meiner Schulzeit gemeinhin nicht als solche bezeichnet, sondern als Kampf um die Unabhängigkeit. So zumindest habe ich das noch in meinen Schulbüchern stehen, und darum bin ich immer noch so geimpft, dass die Französische Revolution der eigentliche Anfang vom Ende der Monarchie war. Dabei waren die Neuengländer mehr als zehn Jahre früher dran. Das wird man im Laufe dieses Jahres noch oft genug zu hören bekommen. Allerdings stand die amerikanische Demokratie von Anfang an auf wackeligen Füßen. Erst 1787 findet in Philadelphia der entscheidende Verfassungskonvent statt. An dessen Ende kommt es zum berühmten Dialog zwischen der Gastgeberin Elizabeth Willing Powel und Benjamin Franklin.

Nachdem die Delegierten die Arbeit beendet hatten und Franklin das Gebäude verließ, soll Elizabeth Willing Powel ihn gefragt haben: „Well, Doctor, what have we got – a republic or a monarchy?“ Franklin antwortete darauf mit den berühmten Worten: „A Republic, if you can keep it.“

Nichts ist sicher, nur weil es gut ist. Franklin, der gute Mensch, wusste nur allzu genau, dass die neue, republikanische Staatsform nicht selbstverständlich dauerhaft bestehen würde. Ihr Fortbestand hing – und hängt – von der politischen Tugend, dem Engagement und der Wachsamkeit der Bürger ab. Der Satz gilt bis heute als prägnante Mahnung, die Demokratie aktiv zu schützen und zu pflegen.

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¹ Der amerikanische Jazzpianist Fred Hersch, der in der Mitte seines Lebens eine niederschmetternde Diagnose verkraften musste, machte den Kommentar seines Arztes zum Titel seiner Memoiren.


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Die Aufgabe der im Video präsentierten Drucksache war es, den Ratifizierungs-Prozess möglichst zügig und demokratisch abzuwickeln. Zu diesem Zweck wurde ein ordentliches, sechsseitiges Dokument gesetzt, systematisch aufgebaut wie ein Vorvertrag, mit Freiräumen für Unterschriften und Paraphen. Die im Handabzug gefertigten 500 Kopien wurden dann per Boten in die zuständigen Städte, Bezirke, Gemeinden geschickt, um basisdemokratisch über die neue Verfassung verbindlich abzustimmen. Ein historisches Dokument und Paradebeispiel für Georg Christoph Lichtenbergs Aphorismus: „Mehr als das Gold, hat das Blei die Welt verändert. Und mehr als das Blei in der Flinte, das im Setzkasten“. Diesen Aphorismus kann man nicht mehr uneingeschränkt gelten lassen. Hier sind wir mittlerweile unserer Aufklärungsromantik gründlich beraubt worden.

Dennoch hat es etwas absolut Beruhigendes, wenn man Gedanken, positive Forderungen und eine wohlmeinende Zielsetzung so akkurat in Form gebracht sieht hat und damit allgemeinverbindlich konserviert wird. Die amerikanische Führungselite hatte bei allem Palaver stets die Nase vorn. Vervielfältigung und schnelle Verbreitung der progressiven Gedanken als Schlüssel zur Macht, PR im Stil der neuen Zeit.

Wenn man nach der US-Verfassungsurkunde googelt, stößt man automatisch auf die kalligrafisch geschwurbelte Version, die von der Form her völlig aus der Zeit gefallen scheint. Die Druckbögen von John Dunlap sind dagegen edel und rein. Logischerweise kommt hier natürlich auch der konsequente Einsatz der Antiqua zum Tragen. Ganz anders als beispielsweise die Schriften unseres Immanuel Kant, die komplett im Fraktursatz erfolgten. Übrigens: Ein schönes Kuriosum, das ich auch ganz gerne meinen Schülerinnen und Schülern vorführe, ist die Verwendung der beiden S-Formen. Auch im anglo-amerikanischen Raum benutzte man bis ins 19. Jahrhundert sowohl Lang-s als auch Schluss-s. Das „ß“ als Ligatur war allgemein noch nicht erfunden.

Mit dem 250-jährigen Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung steht uns in diesem Jahr noch eine harte Prüfung bevor. Persönlich gehe ich fest davon aus, dass mir übel wird, wenn ich den Schießbudenfiguren der US-Administration bei der Selbstbeweihräucherung zusehen muss. Nichtsdestoweniger ist die Revolutionsgeschichte der USA faszinierend. Im Rahmen ihres Formats „Was bisher geschah“ haben die Historiker und Journalisten Joachim Telgenbüscher und Nils Minkmar sechs Podcast-Folgen aufgezeichnet, die uns in die unglaubliche Dynamik der Neuen Welt eintauchen lassen. Absolut empfehlenswert.



Was bisher geschah – Geschichtspodcast
Die amerikanische Revolution, Folgen 1-6