Ein Nachtlicht


PUCK
„How now spirit, wither wander you?"

FAIRY
„Over hill, over dale,
Thorough bush, thorough brier,
Over park, over pale,
Thorough flood, thorough fire,

I do wander everywhere,
Swifter than the moon's sphere;


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Böhmische Dörfer

St. Georg in Horní Slavkov


Meinen Schüler*innen müsste ich jetzt erklären, dass es sich bei der Headline um eine deutsche Redewendung handelt, die ausdrückt, dass einem etwas völlig unbekannt, unverständlich oder fremd ist. Mein Vater stammt aus einem solchen böhmischen Dorf, und tatsächlich bin ich immer mehr verwundert darüber, wie wenig man darüber wusste. Sicher, da gibt es eine Handvoll Anekdoten, aber gemessen an dem, was andere an belastbaren Fakten in ihrer Ahnenforschung vorzuweisen haben, ist die Herkunft meines Vaters für mich buchstäblich ein böhmisches Dorf geblieben.

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Das Mädchen mit den Schwefelhölzern

Fotovorlage: AdobeStock


Der November, im französischen Revolutionskalender Brumaire = Nebelmonat genannt, ist vor allem für lebenserfahrene Erwachsene ein recht elegischer Zeitraum. Vielleicht weil man schon so viel Sentimentales darüber gelesen hat: „Im traurigen Monat November war's, die Tage wurden trüber, …“, so in der Art. Als Kind waren mir die Jahreszeiten noch alle gleich sympathisch, und der November bot mit dem Martinsumzug eine erste spannende Einstimmung auf behagliche Rituale, in einer Zeit ganz ohne Medienterror. Wenn man jetzt seine Alltagsabläufe Revue passieren lässt, ist es schwer vorstellbar, wie man damals ohne moderne Kommunikationsmittel den Tag organisieren konnte. Aber ist schnellere Datenverarbeitung grundsätzlich ein Segen?

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Kommt ein Wanderer des Wegs

Cover mit Hund Feldmann


Die Vorstellung des Daumenkinographen Volker Gerling hat mich auf wundersame Weise in die Achtzigerjahre zurückgeschickt. Wenngleich es künstlerisch keine Überschneidungen gibt, so ist doch das Wandern über die Langstrecke als Selbsterfahrung und vor allem das Zwischenmenschliche des Projekts recht verwandt mit dem, was Michael Holzach im Jahr 1980 unternahm.

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„Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest“


Das zierliche Kunstwerk oben im Bild habe ich letztes Jahr beim Heckenschneiden gefunden und wie ein Exponat aufgehoben. Da war die Brutzeit längst passé, wir achten da sehr drauf, dass hier kein Piepmatz in der Schonzeit zu Schaden kommt. Die neue Generation ist also längst flügge und die verlassene Kinderstube ist somit für den Kunstbetrieb freigegeben. Und während ich mich über dieses geschnäbelte Symbolobjekt eines sich reproduzierenden Familienlebens freue, verheddern sich meine Gedanken beim eintönigen Gartengeschnippel ins Wörtergespinst des „Wintermärchens“, hangeln sich rund um diesen einen Vers mit der fröhlich-trotzigen Metapher:



„Und viele Bücher trag ich im Kopf! / Ich darf es euch versichern,
Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest / Von konfiszierlichen Büchern.“


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Fußball als Realitätsmodell?

Foto: AdobeStock


Im Gegensatz zum Soziologen Klaus Theweleit, der in seinem klugen Essay „Tor zur Welt – Fußball als Realitätsmodell“, den Fußball als gesellschaftliche Referenz in seinem Leben beschreibt, ist dieser Sport für mich mit dem Erwachsenwerden kein ideeller Bezugspunkt geblieben. Das teils manische Gehabe der Ultras, die absurden Millionengagen der Spieler, überhaupt der durchlizenzierte bis mafiöse Markt erschienen mir nicht gerade bewundernswert. Axel Hacke hat in seinem empathischen Buch „Fußballgefühle“ erklärt, dass er den Begriff Fußballfan gerne ersetzt durch den alten Begriff seiner (und meiner) Jugend. Damals hieß es einfach Fußballfreund, der hat nicht diese bescheuerte Tifosi-Aura und so steht es auch mehrfach in meinem alten Album.

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Matchball – wie der Zufall so spielt

Fotovorlage: AdobeStock


Rote Asche und der heilige Rasen von Wembley

Zwar sind 1966 schon längst die modernen schwarz-weißen Bälle im Einsatz, weil das Design mit sechseckigen und fünfeckigen Patches für die SW-Fernsehübertragungen deutlich besser ist. Doch England, das Mutterland des Fußballs, besteht bei seiner WM noch auf den klassischen, braunen Lederball. Einen echten, genähten Fußball mit Gummiblase hat kaum einer von uns Jungs. Deshalb bin ich sehr stolz, als ich dieses englische Teil geschenkt bekomme. Allerdings ist der Ascheplatz eher schädlich, die schöne Oberfläche ist schnell zerschrakelt. Und dann hat man auch die Angewohnheit sich in Spielpausen draufzusetzen. Danach eiert das Ding und lässt sich nie wieder in Form bringen. Die Liebe zum Fußball ist also objektfixiert und selbst ein „Legionär“ wie Haller wird in der Not zum kleinen Jungen, der in kindlichem Instinkt seinen Ball mit nach Hause nimmt.

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Das Album 65/66



Wie gesagt, einiges lässt sich zur Not aus dem eBay-Backup wiederherstellen. In der Sammlerszene werden zum Teil verrückte Preise verlangt, bei diesem günstigen Angebot konnte ich nicht nein sagen. Und meine fußballgeprägten Söhne sind beeindruckt, vor allem davon, dass der FC Bayern und Gladbach als Aufsteiger gelistet sind. Verrückt, wie genau man sich an manche Figuren und Gesichter erinnert, obwohl das alles wohl ohne jeden Nutzen im Hirn archiviert wurde. Und so bastele ich mir diese Galerie hauptsächlich zum nutzlosen, eigenen Plaisir. Alles in allem ein charmanter Vintage-Look, Papier und nachgedunkelter Klebstoff sind immerhin 50 Jahre alt.

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Souvenirs 65/66

Foto: IMAGO / Horstmüller


Gerade, wenn der Moment so gar nichts Tröstliches bietet, dann greift man gerne reflexhaft nach einem positiv aufgeladenen Relikt. Dazu oben im Bild eine beispielhafte Situation. Der Mann mit der Nummer 8 ist Helmut Haller. Er hat gerade gegen England ein sehr berühmtes WM-Finale verloren und erwidert nun respektvoll den Handshake der strahlenden Queen. Vorher hat er sich den Spielball geschnappt, den er als Souvenir nicht mehr hergeben wird. Schwacher Trost?

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Jugendstil – Made in Munich

In der Ausstellung am 2. Weihnachtstag 2024


Gelegentlich muss man sich im Design für den flüchtigen Wert von Schönheit rechtfertigen, weil der Begriff als beliebig und geschmacksabhängig gilt und ungern als logisches Argument akzeptiert wird. Ich habe zu diesem Thema sogar eine extra Landingpage verfasst, um nach Bedarf selbst nachlesen zu können, sollte ich doch noch an der Sache zweifeln. Und in der Tat stellt mich der Jugendstil auf eine Probe, wenn ich durch die aktuelle Ausstellung gehe und fürchte, dass hier wieder einmal alles zu schön ist, um wahr (gewesen) zu sein. Ich habe mich oft gefragt, ob dieses Misstrauen vielleicht damit zusammenhängt, dass man die wunderbare Kunst des Jugendstils nicht losgelöst sehen kann, von dem was zeitlich danach passiert, wenn der schöne Traum platzt.

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