Schnee von gestern

Warum Schnee aus der Vergangenheit einen so schlechten Ruf hat, ist mir unverständlich. Denn gerade, wenn man zu wenig davon hat, sind Fotos von glitzernden Schneelandschaften, sofern man sie selbst bewandert hat, im Nachhinein ein erbauliches Meditationsmedium. Hier also die Nachbilder eines Spaziergangs am Jahresende. Ob's chronologisch stimmt oder nicht – zwischen die letzten Beiträge und dem folgenden gehört genau diese bayrisch surreale Idylle.

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Das moralische Gesetz in uns

Wem Trumps Thronbesteigung verständlicherweise die Sprache verschlagen hat, sollte sich langsam aber sicher aus der Schockstarre lösen, denn in naher Zukunft wird unsere ganze Aufmerksamkeit verlangt. Ein leises Gemaule reicht nicht gegen die vorlauten Dumpfbacken, die sich gesucht und nun gefunden haben, ab sofort aber von uns kräftigen Gegenwind spüren müssen. Egal, wie altklug sich das jetzt anhört: es geht um nichts weniger, als um die Ideale der Aufklärung und unsere moralischen Verpflichtungen. Die Meisten langweilt vielleicht der philosophische Überbau unseres Systems, aber ohne den können wir einpacken. Durch weltferne Ignoranz riskieren wir leichtfertig den Verlust unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

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Wir Halbweisen aus dem Abendland

Vor langer Zeit – die Grundschule hieß noch Volksschule – fragte der Pastor im Religionsunterricht nach der Bedeutung des Kürzels C+M+B, das die Sternsinger Jahr für Jahr mit Kreide auf die Haustür schreiben. Das wusste ich, der Pastor aber lächelte nur milde über meine kindliche Antwort. Nein, natürlich bedeute das nicht einfach Caspar, Melchior und Balthasar. Wär' ja auch zu leicht gewesen. Daraufhin schrieb er selbst einen kryptischen Text an die Tafel, drehte sich wieder zu uns und wartete geduldig, dass einer ihn fragte, was das heißt. Hat dann aber keiner gemacht, weil's wohl keiner wirklich wissen wollte und drum hat er's sich einfach noch mal selbst erklärt: Christus mansionem benedicat, Christus segne dieses Haus!

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Rückzug ins Private?

Am Anfang des Jahres fragt man sich – angesichts der Umstände in letzter Zeit – ob man alles richtig gemacht hat? Vor allem, inwieweit taugt die Privatsphäre für das eigene Berufsleben? Nach vielen Jahren in einer Ateliergemeinschaft ist der Umzug ins Wohnatelier durchaus ein Experiment. Von allen Optionen, die sich mir anboten, war dies jedoch die flexibelste Variante und deshalb auch die reversibelste – getreu meinem Lieblingskriterium bei Restzweifeln: aus welcher Nummer kommt man am ehesten wieder raus? Das Bedürfnis nach absoluter Ungestörtheit, speziell für konzeptionelle Arbeiten, die wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Münchner Mietmarkt und der weitgehende Verzicht aufs Autofahren, waren die entscheidenden Pluspunkte.

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Servus Neuhausen*

Wenn man für längere Zeit ruhig ist, liegt das daran, dass man entweder in Arbeit versinkt oder gemischte Gefühle hat. Manchmal ist es auch eine Kombination aus beidem. Dass sich ein gewaltiges Kapitel zuschlägt, wird mir erst wirklich bewusst, als der Möbelwagen auf den Hof rollt. Knapp drei Jahrzehnte Ateliergemeinschaft lösen sich dann tatsächlich einfach so auf. Drei Stunden Beladezeit, Klappe zu.

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Spaziergang in der Silvesternacht

Es fängt romantisch an mit der „Feuerzangenbowle“ in der Komödie im Bayerischen Hof und endet pragmatisch mit dem unfreiwillig langen Fußweg vom falschen S-Bahnhof nach Hause, „wegen eines Polizeieinsatzes“. Bis zum nächsten Morgen ein surrealer Nebeldunst, zum Glück kein realer Terror. Also lieber noch mal in Gedanken zurück in die Komödie, amüsant und unbeschwert und mindestens doppelt so positiv wie die Wirklichkeit. Oder, wie Heinrich Spoerl es anders herum in seinem Roman ausdrückt, „es ist im Leben alles nur halb so schlimm – und halb so schön.“ Gegenüber Buch und Film verzichtet das Theaterstück auf die sentimentale Schlusspointe des Originals. Hätte mir zum Jahresabschluss aber gefallen:

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Ein englischer Gruß

Schon immer eine meiner Lieblingsfiguren in München, dieser Friedensengel. Als ich vor 30 Jahren nach München kam, da strahlte er mir frisch renoviert entgegen, wenn ich tagtäglich aus dem Tunnel heraus drauf zu fuhr. Goldene Galionsfigur vor weißblauem Himmel – so was prägt sich ein.

Dieses Bild habe ich durchaus als verheißungsvoll empfunden und seit dem auch eine Art „gesegnetes Dasein“ geführt. Unter anderem dank einer langjährigen, fruchtbaren Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt und ihren vielen Dienststellen. Das ist bis heute so geblieben und kann von mir aus auch locker so weitergehen. So wird man in Einzelfällen verschmerzen, wenn die Dinge sich nicht so entwickeln, wie man es erwartet oder vielleicht auch verdient hätte. Schade nur, dass ausgerechnet mein geliebter Friedensengel bei der Gelegenheit unter die Räder geraten muss.

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Wozu hat man sein Talent?

Wenn Kinder denselben Beruf ergreifen wie die Eltern, ist das für beide Seiten nicht grundsätzlich von Vorteil. Obwohl es im Handwerk, und dazu zähle ich unser Metier, eine überaus wirkungsvolle Tradition gibt, bleiben doch immer auch Zweifel um die Rollenverteilung innerhalb der Familie. Nun haben wir also schon den nächsten Grafikdesigner in der Familie, was von außen dann doch etwas anders taxiert wird, als das vielleicht bei Rechtsanwälten, Zahnärzten oder Bauunternehmern der Fall ist. Denn künstlerische Begabungen werden von besorgten Eltern gerne und geflissentlich übersehen – wenn’s ernst wird. Dabei sollte man eher stolz darauf sein, dass Kinder brauchbare Talente geerbt und Spaß daran haben, damit Ihr eigenes Leben zu gestalten.

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Kreuzzug der Schafsköpfe

Auch heute sammelt sich in Dresden wieder eine kleine Herde von gelangweilten Zeitgenossen, um schwarzrotgoldene (?!) Kreuze zu tragen. Was müssen diese drei Farben nicht noch alles aushalten? Schade um das prachtvolle Elbflorenz, jetzt zum Wallfahrtsort politischer Hinterwäldler zu werden – noch dazu am symbolhaften Montag. Peinlich.

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Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit!

Keine leeren Worte, sondern kostbare Werte! – Die Ideale unserer freien Gesellschaft, gilt es, mit Stolz zu bewahren und zu verteidigen. Innehalten im Gedenken an die Berufskollegen, die von gewaltbesessenen Wahnsinnigen ermordet worden sind. Heute trauert Frankreich, Europa und die aufgeklärte Welt um die vielen Opfer der terroristischen Anschläge in Paris.

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