Wir Halbweisen aus dem Abendland

Stefan Lochner Altar der Stadtpatrone*


Vor langer Zeit – die Grundschule hieß noch Volksschule – fragte der Pastor im Religionsunterricht nach der Bedeutung des Kürzels C+M+B, das die Sternsinger Jahr für Jahr mit Kreide auf die Haustür schreiben. Das wusste ich, der Pastor aber lächelte nur milde über meine kindliche Antwort. Nein, natürlich bedeute das nicht einfach Caspar, Melchior und Balthasar. Wär' ja auch zu leicht gewesen. Daraufhin schrieb er selbst einen kryptischen Text an die Tafel, drehte sich wieder zu uns und wartete geduldig, dass einer ihn fragte, was das heißt. Hat dann aber keiner gemacht, weil's wohl keiner wirklich wissen wollte und drum hat er's sich einfach noch mal selbst erklärt: Christus mansionem benedicat, Christus segne dieses Haus!

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Rückzug ins Private?


Am Anfang des Jahres fragt man sich – angesichts der Umstände in letzter Zeit – ob man alles richtig gemacht hat? Vor allem, inwieweit taugt die Privatsphäre für das eigene Berufsleben? Nach vielen Jahren in einer Ateliergemeinschaft ist der Umzug ins Wohnatelier durchaus ein Experiment. Von allen Optionen, die sich mir anboten, war dies jedoch die flexibelste Variante und deshalb auch die reversibelste – getreu meinem Lieblingskriterium bei Restzweifeln: aus welcher Nummer kommt man am ehesten wieder raus? Das Bedürfnis nach absoluter Ungestörtheit, speziell für konzeptionelle Arbeiten, die wirtschaftliche Unabhängigkeit vom Münchner Mietmarkt und der weitgehende Verzicht aufs Autofahren, waren die entscheidenden Pluspunkte.

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Servus Neuhausen*


Wenn man für längere Zeit ruhig ist, liegt das daran, dass man entweder in Arbeit versinkt oder gemischte Gefühle hat. Manchmal ist es auch eine Kombination aus beidem. Dass sich ein gewaltiges Kapitel zuschlägt, wird mir erst wirklich bewusst, als der Möbelwagen auf den Hof rollt. Knapp drei Jahrzehnte Ateliergemeinschaft lösen sich dann tatsächlich einfach so auf. Drei Stunden Beladezeit, Klappe zu.

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Spaziergang in der Silvesternacht


Es fängt romantisch an mit der „Feuerzangenbowle“ in der Komödie im Bayerischen Hof und endet pragmatisch mit dem unfreiwillig langen Fußweg vom falschen S-Bahnhof nach Hause, „wegen eines Polizeieinsatzes“. Bis zum nächsten Morgen ein surrealer Nebeldunst, zum Glück kein realer Terror. Also lieber noch mal in Gedanken zurück in die Komödie, amüsant und unbeschwert und mindestens doppelt so positiv wie die Wirklichkeit. Oder, wie Heinrich Spoerl es anders herum in seinem Roman ausdrückt, „es ist im Leben alles nur halb so schlimm – und halb so schön.“ Gegenüber Buch und Film verzichtet das Theaterstück auf die sentimentale Schlusspointe des Originals. Hätte mir zum Jahresabschluss aber gefallen:

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Kleiner Neujahrszauber


Alles auf Anfang! Das Thema Symbolismus von gestern macht ja nicht wirklich euphorisch. Zum Glück gehören zum magische Dreieck des Jugendstils noch das blumige Ornament und Liebe zur Natur. Also raus in Licht, Luft und Sonne! Dieser erste Januar ist ideal, um eine gemütvolle Weihnachtsmelancholie aufzulösen. Und die Lebensgeister tanzen wieder durch den Park.

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Gruppenbild mit i-Dötzchen


Kleine sentimentale Pause – heute vor 50 Jahren hatte ich meinen ersten Schultag. Wenn man sich rückblickend der einschneidenden Lebensveränderung gewahr wird, ist das im Grunde so eine Art zweiter Geburtstag, aber wer hat sich dieses Datum jemals wirklich eingeprägt?

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Wiki-Battle: Vater vs Sohn

Foto: AdobeStock


Quizduelle sind zwar die Zerstreupest dieser Tage, Wiki-Battle ist als Spielidee allerdings ganz witzig: den Links in Wikipedia folgen, um zwei unzusammenhängende Einträge miteinander zu verbinden. Also nicht gerade „München“ und „Oktoberfest“, da stünde der zielführende Link bereits auf der Ausgangsseite, sondern beispielsweise „Augustinerbräu“ und „Frank Zappa“. Immer nur den internen Links folgen, bis der erste von zwei Spielern (oder mehr) beim Zieleintrag ankommt. Das schöne daran, sonst wär's nicht der Rede wert, es hat was generationengerechtes, weil ein alter Kopf auch mal sein Potenzial nutzen darf, um gegen den Online-Skill der Däumlinge einen Punkt zu machen.

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Afterwork: Jazz For Friends


Jazz and more – Live in der Pasinger Fabrik. Nebenberuflich haben ja schon viele ihre Parallelwelt in der Musik gesucht und gefunden. Jazz mal nicht ganz so verkopft und mit ein paar Popsongs vermischt ist das Konzept unserer Band „Jazz For Friends“, mit der wir uns, je nach Lust und Laune, in die Öffentlichkeit trauen. Die letzte Freitagnacht in der Lounge Bar der Cantina ist ein durchaus erwähnenswertes Highlight. Ambiente und Stimmung im Publikum konnten besser nicht sein!

Zwei Sets mit Instrumental- und Gesangsnummern, von Duke Ellington, Miles Davis, Herbie Hancock, Sonny Rollins oder Antônio Carlos Jobim bis Paolo Conte, haben dem Publikum mit Amüsement die Zeit vertrieben. Sorry, dass wir nicht mehr als drei Zugaben hinkriegen. Wenn's am schönsten ist, sollte man aufhören, alte Zirkusregel. Danke an alle, die uns so enthusiastisch beklatscht haben.

Hat echt Spaß gemacht!

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Der gestirnte Himmel über mir


Der mitternächtliche Silvesterhimmel über München zeigt sich humorlos trübe und zugenebelt, ein Großteil der Raketen verzischt grußlos im Dunst. Egal, wenn die Natur sich nicht real zeigen will, dann eben virtuell per „SkyGuide“ durch die Galaxis: Stimmungsvolles für den Jahreswechsel! Wer sich für den Sternenhimmel interessiert, sollte sich diese, aktuell ins Deutsche übersetzte App gönnen. Ein unverbauter Blick ins Universum: Himmelskörper und Sternbilder, mit und ohne Mythologie, ein astronomisches Lexikon mit interaktiven Orientierungshilfen, Zeitangaben, gute Grafik und dezentes Sounddesign. Wirklich subtil umgesetzt, einfach wunderschön gemacht.

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Zeitgedichte, Zeitgeschichte


Es gibt keinen Dichter, der mich mehr beeindruckt als Harry Heine aus Düsseldorf. Etwas rheinische Seelenverwandtschaft ist vielleicht auch dabei, aber im wesentlichen ist es die ungewöhnlich präsente Sichtweise des Journalisten Heine, sein scharfer, analytischer Verstand, hochgebildet und von brillanter Klarheit im sprachlichen Ausdruck. Plus diese trotzige Ironie, die nur ein Mensch beherrschen lernt, der sich von Leid und Schmerz nicht klein kriegen lässt.

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