Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern

Wenn die Medien mal wieder nicht wissen, was sie machen sollen, wird das alte ich-sehe-was-was-du-nicht-siehst-Spielchen bemüht und heraus kommt eine dieser belanglosen Chartlisten. Aus diesem larifari Gemüt heraus hat die englische Daily Mail einmal mehr die Bundesliga auf dem Kieker und abschließend befunden, dass der HSV das hässlichste Logo der Welt hat. Das finde ich gemein, denn die Hamburger haben seit einigen Jahren wirklich Wichtigeres zu tun, als sich mit ihrem Grafikdesign zu beschäftigen. Und ganz abgesehen davon, dass mir persönlich die blaugefärbten Fußballvereine nicht besonders nahe stehen, finde ich das HSV-Logo von allen Bundesligaclubs immer noch am schönsten. Null Ahnung, was wohl englischen Sportjournalisten gefallen könnte. Möglicherweise will man das auch gar nicht wissen.

Ganz offensichtlich können in der „Jury“ keine Fachleute gewesen sein, denn rein formal ist das Zeichen für einen Fußballclub ziemlich cool – unprätentiös, hanseatisch, einprägsam. Im Vergleich zur Pseudo-Heraldik anderer europäischer Vereine hat der HSV ein geradezu modernes Logo. Dass die majestätischen Briten es lieber etwas pompöser haben, ist verständlich. Dass sie die maritime Signalsprache nicht mehr verstehen, ist erbärmlich, aber auch symptomatisch. Dann kratzt sich das Schwein eben nicht an der stolzen Eiche, sondern am Schiffsmast, auch gut.


Bei harmlosen Verunglimpfungen heißt es, Haltung bewahren und den Blick aufs Wesentliche nicht verlieren: im Stadion, auf der Fanmeile oder in der Kneipe generiert sich schließlich eine ganz eigene Vorstellung von Ästhetik, Farb- und Formgebung. Würde hier ein Modedesigner einem Ultra ernsthafte Stylingtipps geben wollen? Es ist alles in Ordnung so wie es ist, und hoffentlich kommt kein Grafiker auf die Idee, an Bundesligalogos herumzufummeln.