Der Geist vom Paulusplatz

Zu meinen schönsten Erfahrungen gehört, in einem richtigen Musentempel studiert zu haben. Eine Kunstschule wie gemalt, mitten in einer sehr alten, sehr schönen, sehr provinziellen Stadt. Meine sentimentale Rückblende bezieht sich mehr auf den Geist des Ortes, weniger auf das Personal anfangs der achtziger Jahre. Es war die umständliche Zeit vor der Erfindung des Macs, unsere Professor(inne)n, mit Verlaub, doch ziemlich hinterm Mond und wir Studierenden plagten uns noch mit Ziehfedern. Alles dauerte ewig und brachte nicht viel ein. Keiner wollte mehr grafisch so arbeiten wie früher und so wie heute ging's eben noch nicht. Richtig gutes Design hat sich unsereins später selber beibringen müssen. Finde ich aber nicht schlimm. Ging ja allen so.

Umso begeisterter erlebe ich, wie die Schule nun ein Fixpunkt guten Designs und der Inspiration für junge Menschen geworden ist, endlich. Die Tradition lebt frisch und munter und schimmelt nicht vor sich hin. Und man nutzt diese fabelhafte Architektur wie am Paulusplatz in Trier, um sich leidenschaftlich zu inszenieren, auszustellen oder zu feiern. Ich beneide die Studenten für die heutige Zeit, in der sie von Anfang an kreativ arbeiten können. Ohne sich mit vertrockneten Pinseln und Temperafarben oder abgelaufenen Fotochemikalien rumzuärgern. Jetzt entstehen intermediale Konzepte von internationalem Format.

Die sehenswerte Projektion „Searching For A Room“


„Ewige Unruhe“ in der Designhochschule –Eindrücke vom 101-jährigen Paulusplatz-Jubiläum