Die Digitalisierung der Romantik

Ob's edler im Gemüt
die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden?
Oder sich waffnend gegen eine See von Plagen
durch Widerstand sie enden? …


Ja oder Nein, Sein oder Nichtsein, Like oder Dislike? Immer dieses binäre Muster. Da bringt die Digitalisierung nichts Neues in unser romantisches Wahrnehmungssystem. Und dennoch: Stünde einem zaudernden Hamlet statt seiner schwerfälligen Gefährten doch nur ein leistungsfähiger Algorithmus zur Seite, vielleicht ließe sich das Drama auf drei Minuten komprimieren? Wie auch immer, die theatralischen Zweifel behält man besser für sich, Skepsis verkauft sich schlecht. Der Medienprofi sieht dem digitalen Zeitalter gelassen entgegen und behält seine privaten Internet-Horror-Visionen still für sich. Im Schwebezustand zwischen Positivismus und Selbstverleugnung.

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Propaganda – Teil 3: Die vertrauten Verführer

Kommunikationsexperten aus der Praxis werden in der Regel von ihren wissenschaftlichen Kollegen unterschätzt. Das ist sehr wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass so ein Edward Bernays jahrzehntelang nahezu unbehelligt arbeiten konnte. Werbe- und PR-Heinis nimmt man nicht wirklich ernst.

Die meisten Leute sind überzeugt davon, selbst überwiegend rational veranlagt zu sein, abgesehen von etwas Laissez-faire im Urlaub oder am Wochenende. Kaum jemand teilt unsere Erfahrungen als Designer, dass fast alle Entscheidungen eines Menschen im Ansatz emotional sind. Diese Einschätzung wird oft mit Stirnrunzeln quittiert. Aber plötzlich und unerwartet geht das kollektive Kalkül nicht mehr auf, es gibt unvernünftige Massenphänomene im Allgemeinen und beschämende Wahlergebnisse im Besonderen. Dann sind in den Talk-Shows auf einmal alle schlauer und werfen sich Prozentwerte an den Kopf: 70 % Emotion zu 30 % Information – entscheidet so das Wahlvolk?

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Propaganda – Teil 2: Die Sicht der Dinge

Natürlich ist nichts wirklich in Ordnung, wenn die Wahrheit auf der Strecke bleibt. Und damit ist man schon gleich beim grundlegenden Unterschied zwischen Propaganda und seriöser PR. Pressearbeit stellt Dinge dar wie sie sind und je nach dem eben auch in einem günstigen Licht. Propaganda aber beugt die Wahrheit. Dieser Sachverhalt wird schnell klar, wenn man sich mit Bernays‘ Methoden auseinandersetzt.

Deren Grundlage ist stets die Erfindung einer neuen Realität – entweder als Schauermärchen oder als Sommernachtstraum, je nachdem. Bernays konstruiert eine vermeintlich plausible Wirklichkeit, in der das Produkt x, die Dienstleistung y oder die Überzeugung z eine ultimative Leitgröße darstellen. Ohne diese imposante Scheinwelt verlöre alles seine Bedeutung. Die Legendenbildung hat eine fatale Ähnlichkeit zu politischen Desinformationskampagnen.

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Propaganda – Teil 1: Die Ordnung des Chaos

Wie man’s auch nennt, Fake News oder alternative Fakten – das Spiel ist so alt wie die Menschheit oder, im neuzeitlichen Kontext, so alt wie Edward Bernays, berühmt-berüchtigter Spindoktor und PR-Berater und Neffe Sigmund Freuds.

Bernays ist als junger Mann Mitglied der Creel-Kommission, einem Team für Öffentlichkeitsinformation, das im Auftrag der US-Regierung die Bevölkerung psychologisch auf die Teilnahme der USA am Ersten Weltkrieg einstimmen soll. Die erfolgreichen Methoden aus Kriegszeiten überträgt Bernays danach ins zivile Leben, schreibt bereits 1928 das kompakte Standardwerk namens „Propaganda“ und hilft damit indirekt auch einem Joseph Goebbels auf die Sprünge. Im Nachhinein ein Grund für die Umbenennung des später unpopulären Begriffs „Propaganda“ in „Public Relations“. Bernays wird sagenhafte 103 Jahre alt und hat leider Gelegenheit genug, mit seiner PR und deren Folgen in die Zeitgeschichte einzugreifen.

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Die Gedanken sind frei

Kommunikationsdesign heißt unter anderem so, weil dabei ziemlich viel geredet wird. Manchmal so viel, dass dem Individuum die Sicht auf das Wesentliche vernebelt wird. Besonders dann, wenn jeder auf seiner Denkspur als erster ins Ziel kommen will. Im Disput dominiert die Schlagfertigkeit. Wer die Kunst der Rhetorik oder gar der Polemik bemüht, sucht allerdings nicht zwingend nach der Wahrheit, sondern nach Bestätigung. Soll heißen: es schadet nicht, wenn man sich in wörtlicher Rede behaupten kann, solange man damit nicht die eigene Sturheit fördert.

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Mein Name ist Hase

Kommunikationsdesign ist ein weites Feld und eines der größten Privilegien ist die ungenierte Freiheit mit der dieser Beruf ausgeübt werden kann. Wer fragt uns schon nach Zeugnissen, Diplomen oder Titeln? Gutes Design erkennt man auch ohne akademische Vorzeichen, Quereinsteiger machen unverkrampft Karriere, ohne die höheren Weihen irgendeines Studiums. Dem konservativen Akademiker stehen bei so was die Haare zu Berge. Verständlich, denn er hat sich bienenfleißig und ernsthaft qualifizieren müssen. Kann dann aber eine amtliche Beglaubigung seiner Qualitäten vorweisen und deshalb bereits im Vorfeld die angemessene Ehrerbietung erwarten. Sofern ihm nicht eine maliziöse Expertenkommission diese Ehre wieder abschneidet.

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Spec Work – alles für die Katz?

Um es noch mal in aller Deutlichkeit zu sagen: sich auf massenhaft ausgeschriebene Wettbewerbe einzulassen oder für null Honorar zu pitchen hat nichts mit Sportsgeist oder gar Professionalität zu tun. Für Kreative ist es quasi ein bitteres Armutszeugnis, denn wenn nicht aus purer Not, warum sonst sollten sie so etwas tun. Der potenzielle Auftraggeber hingegen bedient sich schlicht eines unseriösen Schneeballprinzips.

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Markenzeichen oder Stigma?

Die Legende vom tollen Käfer gehört zu den beliebtesten Vor- und Nachkriegsmärchen der deutschen Automobilindustrie. Leidenschaftlich romantisiert und liebevoll geschönt. Dabei war der „Volkswagen“ ursprünglich nicht mehr, als eine blödsinnige Fehlkalkulation, ein Produkt, das zum Katalogpreis gar nicht herzustellen war. Und damit eine miese Verbrauchertäuschung, denn tausende von „Volksgenossen“ wurden um ihre gesamten Ansparzahlungen geprellt, ohne das jemals ein „KdF-Wagen“ zugeteilt wurde. Bekanntermaßen war ja ab 1939 Schluss mit der „Kraft durch Freude“, da musste das junge Unternehmen Granaten und Minen produzieren.

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Design bestimmt das Bewusstsein

Man sieht sich im Kommunikationsdesign manchmal dem Vorwurf ausgesetzt, die Dinge nicht in ihrer vollen Komplexität und schon deshalb nicht wahrheitsgemäß wiederzugeben. Abgesehen davon, dass man auf einem DIN A-Blatt kaum die Welt erklären kann, stecken hinter plakativen Vereinfachungen und struktureller Kompaktheit durchaus ehrenwerte Motive. Man will einfach, dass beim Gegenüber was hängen bleibt.

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Okay Google, wo ist der nächste Briefkasten?

Wer fühlt sich von Google nicht beobachtet? Den Meisten ist das mittlerweile zwar vollkommen egal, aber drehen wir doch einfach mal den Spieß um und beobachten Google! Was die selbst so treiben, um ganz oben zu bleiben. Schon mal aufgefallen, wie viel Papierpost man als Kommunikationsprofi von Google bekommt? Die kaltschnäuzige Datenkrake ist nämlich eine treuherzige Brieffreundin.

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