„Eine Idee ist gar nichts, ja?“

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„Eine Idee ist gar nichts, ja?“ – Dieses patzige Zitat von Terézia Mora aus dem Deutschlandfunk Radiofeature „101 Wege, nicht zu schreiben“, habe ich mir gemerkt. Weil es so schön die Gereiztheit der Kreativen wiedergibt, wenn sie nach den Quellen ihrer Inspiration und Produktivität gefragt werden. Warum aber die Gereiztheit und weshalb dieser Nihilismus? Wahrscheinlich, weil das verkitschte Interesse an Einfallsreichtum und künstlerischer Imagination irgendwann jeden Profi ziemlich nervt. Ideen bleiben ein nutzloses Gas, solange sich niemand bemüht, sie aus diesem flüchtigen Aggregatzustand in eine feste Form zu bringen. Erst die geglückte Umsetzung macht daraus ein eindrucksvolles Konzept: in dessen solider Struktur steckt das eigentliche Potenzial. Kurz, Ideen sind davor nur heiße Luft, also gar nichts. – Es hat schon seinen Grund, weshalb das sogenannte Fantasy-Genre zum kunterbunten Kitsch neigt.

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Markenzeichen oder Stigma?

Die Legende vom tollen Käfer gehört zu den beliebtesten Vor- und Nachkriegsmärchen der deutschen Automobilindustrie. Leidenschaftlich romantisiert und liebevoll geschönt. Dabei war der „Volkswagen“ ursprünglich nicht mehr, als eine blödsinnige Fehlkalkulation, ein Produkt, das zum Katalogpreis gar nicht herzustellen war. Und damit eine miese Verbrauchertäuschung, denn tausende von „Volksgenossen“ wurden um ihre gesamten Ansparzahlungen geprellt, ohne das jemals ein „KdF-Wagen“ zugeteilt wurde. Bekanntermaßen war ja ab 1939 Schluss mit der „Kraft durch Freude“, da musste das junge Unternehmen Granaten und Minen produzieren.

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Design bestimmt das Bewusstsein

Man sieht sich im Kommunikationsdesign manchmal dem Vorwurf ausgesetzt, die Dinge nicht in ihrer vollen Komplexität und schon deshalb nicht wahrheitsgemäß wiederzugeben. Abgesehen davon, dass man auf einem DIN A-Blatt kaum die Welt erklären kann, stecken hinter plakativen Vereinfachungen und struktureller Kompaktheit durchaus ehrenwerte Motive. Man will einfach, dass beim Gegenüber was hängen bleibt.

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Die Wirklichkeit der Bilder (1938)

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Der Totalitarismus benutzt Bilder im öffentlichen Raum als scheinheilige Werkzeuge der Propaganda. Vielleicht lässt sich ein kluger Mensch so schnell nichts vorgaukeln, wirklich schlauer ist er trotzdem erst hinterher, wenn sich aufklärt, ob die perfide Botschaft nicht eine ganz andere ist, als zunächst noch wohlwollend angenommen. Doch selbst eine Lüge transportiert gelegentlich ein Fünkchen Wahrheit.

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Okay Google, wo ist der nächste Briefkasten?

Wer fühlt sich von Google nicht beobachtet? Den Meisten ist das mittlerweile zwar vollkommen egal, aber drehen wir doch einfach mal den Spieß um und beobachten Google! Was die selbst so treiben, um ganz oben zu bleiben. Schon mal aufgefallen, wie viel Papierpost man als Kommunikationsprofi von Google bekommt? Die kaltschnäuzige Datenkrake ist nämlich eine treuherzige Brieffreundin.

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Zum Quadrat – eine Meditation

Über elementare Grundformen nachzudenken hat was von Meditation. Wer die Muße aufbringt, sich auf das Wesentliche einzulassen, kann seine Gedanken neu ausrichten und damit die Fantasie mobilisieren. Also, ganz entspannt bleiben, nicht gleich wieder das Konkrete suchen! Es lohnt sich, Ideen frei und abstrakt zu entwickeln, um sie dann erst Gestalt annehmen zu lassen.

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Der Geist vom Paulusplatz

Zu meinen schönsten Erfahrungen gehört, in einem richtigen Musentempel studiert zu haben. Eine Kunstschule wie gemalt, mitten in einer sehr alten, sehr schönen, sehr provinziellen Stadt. Meine sentimentale Rückblende bezieht sich mehr auf den Geist des Ortes, weniger auf das Personal anfangs der achtziger Jahre. Es war die umständliche Zeit vor der Erfindung des Macs, unsere Professor(inne)n, mit Verlaub, doch ziemlich hinterm Mond und wir Studierenden plagten uns noch mit Ziehfedern. Alles dauerte ewig und brachte nicht viel ein. Keiner wollte mehr grafisch so arbeiten wie früher und so wie heute ging's eben noch nicht. Richtig gutes Design hat sich unsereins später selber beibringen müssen. Finde ich aber nicht schlimm. Ging ja allen so.

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Modernismus und Romantik

Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss. Der romantischste Fluss in Deutschland ist der Rhein und der meist bestiegene Berg Europas ist der Drachenfels, mit seinem sagenhaften Ausblick. Angelehnt an eine malerische Burgruine, mit weitem Blick ins imposante Flusstal, sieht die Zukunft verheißungsvoll aus und aus nebligen Träumen werden klare Pläne. So war jedenfalls die bürgerliche Vorstellung im 19. Jahrhundert, von der sich vieles in unsere Mentalität verirrt hat. Denn die Bewegung der deutschen Romantik ist eine kulturelle Reaktion auf die Industrialisierung mit ihren drastischen Veränderungen im Arbeitsleben, die trotz der unseligen neuen Wirtschaftsform des Kapitalismus, die Hoffnung auf Fortschritt und Freiheit nährt. Der moderne Mensch mit seinen zwei Seelen entsteht im spießigen Biedermeier.

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Das Korrekturen-Enigma

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„Seite 82 oben, zweite Spalte, vierter Absatz, dritte Zeile: bitte Gedankenstrich hinter dem zweiten Wort von links einfügen!“

Korrekturen einarbeiten im Jahr 2014 kommt mit manchmal vor wie Schiffe versenken in meiner Grundschulzeit. Wie Alan Turing auf den Spuren der Enigma, so hat unsereins den E-Mail-Korrekturode zu knacken. Dabei bräuchte man einfach nur neben das Falsche das Richtige schreiben, vielleicht sogar mit Hilfe von Korrekturzeichen und fertig. Da haben wir so ein feines Betriebssystem, alles für den analogen Erkenntnisapparat des Menschen gemacht. Nur die Leute selbst werden immer mehr selbst zum Scanner und zerlegen ihre Arbeit militärisch kalt in gefühllose Arbeitsschritte. Eine derart verklausulierte Sprache kenne ich wirklich sonst nur von der Bundeswehr. Da spricht man auch gerne mal rückwärts, weil das angeblich logisch ist: „Spaten-Klapp–Feld“ – auch schön.

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Haben Sie manchmal Déjà-vus?

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Im Filmklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“ lautet die Antwort der bemühten Pensionswirtin: „Normalerweise nicht, aber ich kann ja mal in der Küche nachsehen“. Das ist auf sehr charmante Weise lustig, überhaupt finde ich den ganzen Film witzig und intelligent. Ich hatte sogar kurz die Idee, mich morgens mit „I got you babe“ auf dem Handy wecken zu lassen, schon weil Cher ein erster Jugendschwarm für mich war, aber dann war mir das Experiment doch zu heikel. Wer weiß schon, wie das Unbewusste auf solche Späße reagiert? Das plötzliche Déjà-vu ist ja immer etwas unheimlich – eine seltsam unwirkliche Überlagerung der eigenen Vorstellungswelt mit Fantasien und Erwartungen, diese wahrhaft surreale Doppelbelichtung von Erinnerung und Realität. Manchmal beklemmend, unheimlich, manchmal einfach nur etwas verrückt und schnell wieder vergessen.

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