Deutschland ohne Sommermärchen

In der Nacht an Deutschland zu denken, bringt einen ja bekanntlich um den Schlaf. Wie tröstlich, Freunde zu haben, die einen frühmorgens erheitern, noch dazu, wenn sie zwei Karten fürs Stadion haben. Weltmeister Frankreich trifft auf Looser Germany. Kein Freundschaftsspiel – das gab’s vielleicht früher mal. Die neueste Erfindung heißt Nations-League. Nun gut, nicht gleich wieder negativ werden!


Fußball wirkt meist positiv auf die deutsche Seele – vorausgesetzt, „La Mannschaft“ schafft es wenigstens ins Halbfinale. Wie zum Beispiel im Sommermärchen 2006. Im Klassiker gegen Italien rauszufliegen hat zwar kurz wehgetan, war aber angemessen. Denn, wie Axel Hacke es ausdrückt, wir Deutschen sind nun mal in der Niederlage viel sympathischer, als im Auftrumpfen. Zur WM 2006 sind die Vibes so gut wie nie. Nach anfänglichem Befremden über den schwarz-rot-goldenen Overflow macht man sich locker. Die Stimmung im Lande ist heiter und gelassen. Die eigenen Kinder und deren Freunde ziehen – du lieber Himmel! – in Nationalfarben verkleidet durch die Straßen, hängen mitunter gar Flaggen aus dem Fenster. Das ist tatsächlich ungewohnt. Egal, alles easy. Unser Jüngster spaziert mit seiner Grundschulklasse beim Ausflug fröhlich über den Marienplatz „… mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein …“ trällern alle im Chor. Wochenlang scheint permanent die Sonne. Die Welt ist zu Gast bei Freunden!


Und jetzt im Stadion? Drei Weltmeisterschaften später ist der Spaß vorbei. Da sind sie wieder, die üblichen National-Beklemmungen. Es scheint vielen so zu gehen, man trägt die deutsche Trikolore eher als Applikation und ist nicht pegidamäßig beflaggt. Dann aber: Bannerträger schreiten mit Tschingderassabum auf den Rasen, verharren während der Marseillaise und setzen zur getragenen deutschen Hymne synchron schwenkend ein. Das hat im dunkeldeutschen Spätsommer 2018 so gar nichts Nettes. Dann trollen sie sich. „Die Identitären hauen endlich ab“, sagt mein Freund Marcus trocken. Der ist Journalist und deutet das hoffentlich richtig. Wir kaufen uns noch ein Bier und stoßen drauf an, dass Deutschland gewinnen möge. Das Spiel beider Mannschaften ist von mittlerer Qualität, wenig Leidenschaft im Bein und das Herz eher in der Hose. Zwischendrin ein scheuer Blick in den nächtlichen Himmel. Bei Sonnenschein sind wir quer durch München bis Fröttmaning geradelt, jetzt schüttet’s wie aus Eimern von oben hinein in die Arena. Auf dem Feld noch eine lebhafte Schlussviertelstunde, dann ist das Spiel aus – nullnull. Der Regen hört wieder auf, das Volk ist friedlich. Wir kurven mit unseren Rädern unbekümmert aus dem Pulk heraus nach Hause. Gute Nacht ihr lieben Sorgen – leckt uns am Arsch bis morgen!


Au clair de la lune

Schön sehen sie aus, die leuchtenden Farben in der Nacht. Statt der funkelnden Venus begleitet den Mond nun als rötlicher Lichtpunkt der Mars. Was das nun wieder zu bedeuten hat?