„Eine Idee ist gar nichts, ja?“

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„Eine Idee ist gar nichts, ja?“ – Dieses patzige Zitat von Terézia Mora aus dem Deutschlandfunk Radiofeature „101 Wege, nicht zu schreiben“, habe ich mir gemerkt. Weil es so schön die Gereiztheit der Kreativen wiedergibt, wenn sie nach den Quellen ihrer Inspiration und Produktivität gefragt werden. Warum aber die Gereiztheit und weshalb dieser Nihilismus? Wahrscheinlich, weil das verkitschte Interesse an Einfallsreichtum und künstlerischer Imagination irgendwann jeden Profi ziemlich nervt. Ideen bleiben ein nutzloses Gas, solange sich niemand bemüht, sie aus diesem flüchtigen Aggregatzustand in eine feste Form zu bringen. Erst die geglückte Umsetzung macht daraus ein eindrucksvolles Konzept: in dessen solider Struktur steckt das eigentliche Potenzial. Kurz, Ideen sind davor nur heiße Luft, also gar nichts. – Es hat schon seinen Grund, weshalb das sogenannte Fantasy-Genre zum kunterbunten Kitsch neigt.

Die Rezeption einer Idee erfolgt ausschließlich über die Form. Wenn das große Ganze überzeugt, macht sich auch die Idee berühmt. Solange Ideen aber noch nicht berühmt sind, werden sie angezweifelt, ignoriert, belächelt, schlecht oder gar nicht bezahlt.

Ein seltsamer Widerspruch. Einerseits sind originelle Einfälle angeblich das Nonplusultra, andererseits brennt man sie ab wie Wunderkerzen. Es ist nämlich grundsätzlich kein Problem, Ideen am Fließband zu produzieren. Die Aufgabe ist eher, die Gedankenflut zu kontrollieren. Und je mehr Statisten daran beteiligt sind, desto schwindeliger macht uns das klassische Brainstorming. Dann werden Listen geschrieben und Kärtchen an die Wand gepinnt, Bilder assoziiert und Adjektive gesammelt. Wie der nervöse Versorgungstrieb hyperaktiver Eichhörnchen, die im Wald verstreut Vorräte verbuddeln und dann nie wiederfinden. Vielleicht liegt es an unserer Konsumhaltung, dass wir erst den Hals nicht voll kriegen und dann nicht wissen, wohin mit dem Zeug. Am Ende ist man bemüht die Fantasie wieder runterzufahren.


Dass eine Idee allein nicht allzu viel nützt, haben manche Auftraggeber auch schon gespannt. Deshalb wollen sie in der Ausschreibung nicht nur die Idee sehen oder eine konzeptionelle Skizze, sondern gleich die veritable Umsetzung. Das kann ja heiter werden.

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