Fuchs und Rabe

Normalerweise ist es so, dass Werbeagenturen für gute Werbung zuständig sind und Designbüros für gutes Design. Außerdem kann jeder machen, was er will und deshalb machen immer mehr Werbeagenturen auch Erscheinungsbilder. Manche sind gut, andere eher nicht, was aber hier nicht die Frage ist. Bemerkenswert scheint mir vielmehr der hyperaktive Drang um den Komplex Corporate Design, verbunden mit einem zunehmend nervösen Aktionismus. Erscheinungsbilder im Stresstest, mit einer Verfallszeit von unter drei Jahren?! – Ich fabuliere einfach mal:

Gesucht ist ein möglichst liquider Kunde, andächtig genug, um auf ein frei fantasiertes Bedrohungsszenario einzugehen, das ihm in Aussicht stellt, im Wettbewerb unterzugehen, wenn sich sein Unternehmen nicht ganz schnell zur „Marke“ stilisieren lässt. Das Ganze trägt therapieähnliche Züge, kostet entsprechend viel Zeit und Geld und wird mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit geführt, vielleicht weniger aus der Sorge um die wirtschaftliche Zukunft, als aus Angst, gegenwärtig nicht auf dem Quivive zu sein.

Das Procedere beginnt immer mit intensiven Powerpoint- und Clusterkarten-Workshops, aus denen heraus ein neues Logo geboren und mit balladenhaften Wortschöpfungen in die Öffentlichkeit kommuniziert wird. Monatelang hat man nun zu tun mit dem Relaunch von Print- und Onlinemedien, Produktverpackungen, Arbeitskleidung, Gerätschaften, Fahrzeugen, … bis zum ruhmreichen Ende. Und jeder sollte ja, nach Andy Warhol, mindestens einen Tag seines Lebens einmal berühmt sein. Die Frage ist immer, was man sich dafür kaufen kann.

Wie schafft es man überhaupt, so nonchalant in ein System einzudringen um es dann auf den Kopf zu stellen? Es gab Zeiten, da galt das Firmenlogo als heilige Kuh. Wer sie anrührte, wurde mindestens schief angeguckt. Wer sie schlachten wollte, brauchte die amtliche Lizenz zum Töten. Jetzt reichen ein paar simple Vertretertricks. Den Teufel an die Wand malen, etwas Schmeichelei – scheint zu funktionieren.

Foto oben © Hannes Wolf auf Unsplash