Habeck reloaded

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Ja, man kann durchaus mal behaupten, dass „links-grün-versiffte“ Politik viel dazu beigetragen hat, die Welt gerechter und menschlicher zu machen. Errungenschaften wie der Achtstundentag, das Recht auf Mitbestimmung, soziale Sicherungssysteme, bessere Arbeitsbedingungen und die Gleichberechtigung sind nicht vom Himmel gefallen, sondern wurden über Generationen hinweg erkämpft. Unsere linken Vorfahren haben sich regelrecht dafür einknasten und erschießen lassen. Die Idee, dass jeder Mensch, unabhängig von Herkunft und Vermögen, Würde, Rechte und Chancen verdient, ist ein zentraler Bestandteil linker Politik. Sie hat immer wieder daran erinnert, dass Fortschritt nicht allein daran gemessen werden darf, wie viel Reichtum entsteht, sondern auch daran, wie gerecht er verteilt wird und wie gut wir miteinander leben. Viele der Dinge, die wir heute als selbstverständlich betrachten, waren einst linke Forderungen, für die Menschen Mut, Solidarität und Ausdauer aufgebracht haben. Für das nächste Mal, dass mich jemand mit irritiertem Lächeln als dümmlichen Sozialromantiker einstuft, sollte ich meinen eigenen Text auswendig lernen ;-)

Kürzlich habe ich noch ein paar schöne Formulierungen aufgeschnappt. Der Kabarettist Henning Schmidtke stellt da nämlich in seinem Buch „Es ist nicht alles so scheiße, wie du denkst!“ die Frage, wem es zu verdanken sei, dass die Welt trotz Neoliberalismus kontinuierlich immer ein klein wenig besser geworden sei. Es läge sicher nicht an Christian Lindner, aber definitiv an den linken Ideen, konkret der Arbeiterbewegung, und allgemein an den progressiven Kräften. Summasumarum hätte sie vielleicht keinen brauchbaren Sozialismus herbeigezaubert, aber trotzdem enorm viel bewirkt. Zitat: „Die Zukunftsideen im Kommunistischen Manifest waren ungefähr so aussichtsreich wie ein Brief an den Weihnachtsmann, und doch: Der Marx-Biograf Jürgen Neffe bemerkte einmal, dass viele dieser ‚naiven‘ Ideen heute in den meisten europäischen Staaten verwirklicht sind. Wir haben zwar den Kapitalismus, aber in vielen Punkten leben wir das Kommunistische Manifest.“

Und damit zu einem deutlich wertvolleren Menschen, der in der ungesunden Nähe jenes neoliberalen Schnösels und in Kooperation mit der Bildzeitung leider verheizt worden ist. Noch immer lassen es sich manche Mitmenschen nicht nehmen, blöde aufzustöhnen, wenn sie den Namen Robert Habeck hören. Wenn man die Leute fragt, wo konkret der Schuh drückt, dann geht gleich das Licht aus. Insgeheim wäre man froh, man hätte diesem klugen Kopf besser zugehört. Und ebenso heimlich still und leise ist die Wärmepumpe längst bestellt oder zumindest beantragt.

Bedanken wir uns noch kurz bei Markus Söder, dem Schutzheiligen der politischen Niedertracht, dafür, dass er einen der brauchbarsten deutschen Politiker aus dem Wettbewerb vergrault hat. Ein erkennbar anderes Motiv als der Neid der geistig Besitzlosen wird keine Rolle gespielt haben. Man darf den eigenen Ministerpräsidenten ja nicht beleidigen, dabei gäbe die bayerische Sprache doch einiges her. An der Stelle ist es ganz besonders schade, dass die Münchner Paulaner Brauerei den Kabarettisten Maxi Schafroth vom Nockherberg verjagt hat. Der hat dem bräsigen Söder wenigstens einmal im Jahr eins reingewürgt. I know it's only rock 'n' roll, but I like it!


Quelle: YouTube-Kanal DerDara – Politik, News & Debatte, 28.09.2026


Dabei kann ich mich noch nicht mal eindeutig links positionieren, denn gerade „Die Linke“, in direkter Nachfolge der SED und PDS, ist mir in (fast) allen Belangen suspekt. Dennoch schaue ich gelegentlich ganz gerne den Kanal von Dara Marc Sasmaz, vor allem der Beitrag über Habecks Besuch bei Caren Miosga hat mir gut gefallen. Die letzten 10 Minuten klingen sehr überzeugend.

Ich komme noch mal auf das Buch von Schmidtke zurück, der sich auch fragt, was denn auf konservatives Wirken zurück geht? Außer vielleicht die dreiteilige Bierzeltgarnitur? Ein letztes Zitat: „Die Konservativen sagen immer das, was auch die Linken sagen, nur zehn Jahre später.“

Bin auf die Energiepolitik im Jahr 2036 gespannt.



Blog-Eintrag Februar 2025 Culture Club – Members Only
Zur Bundestagswahl, über Robert Habeck