Hania Rani – Home

Freitag der 13. im Bosco, Gauting

Manche Menschen maulen gerne mal am Fernsehprogramm rum, aber ich finde da ganz oft Beiträge, die sich wirklich lohnen. Hania Rani hätte ich wohl nie entdeckt, wenn nicht in der arte-Mediathek: „Piano Day“ am 1. März in der Pariser Sorbonne. Beeindruckend, wie virtuos die junge Dame da ihr im Halbkreis aufgebautes Instrumentarium bedient: Klavier, Flügel, Fender-Rhodes und Synthesizer. Gleich mal auf der Website nach den Tourdaten der jungen Künstlerin geschaut, die augenscheinlich auf dem ganzen Globus präsent ist, aber nicht in München – kurioserweise tatsächlich im Nachbarort Gauting. Einen Tag vor ihrem Konzert in der Elbphilharmonie bespielt sie also die Vorstadtprovinz? Dort muss wohl ein gut vernetzter Kulturmensch residieren. Der eher kleine Konzertsaal ist recht professionell ausgestattet, die Akustik ganz passabel. Erwartungsgemäß ausverkauft.

So kommen ich zu einem feinen Abschluss meiner Geburtstagswoche – ein Abend mit Klangzauber und viel Bühnennebel – Letzteres für die Räumlichkeiten etwas überdosiert. Die Atmosphäre ist dafür fast so intim wie im Jazzclub. Wunderbar, so nah dran zu sein.


Directed by - Mateusz Miszczyński & Jakub Stoszek


Hania Rani hat bislang zwei Soloalben veröffentlicht, im Debütalbum „Esja“ reine Klavierstücke, auf „Home“ dann zusätzlich mit elektronischen Klangexperimenten. Das Gautinger Programmheft kündet von „inspirierender positiver Energie“ von „minimalistischen Melodiebögen, fließenden Tonfolgen“ und „mystisch angehauchten Klangbildern“. Das kann man so stehen lassen. Wir sitzen aufmerksam in der ersten Reihe, schauen der jungen Frau zu, wie sie, ganz auf ihre Kunst konzentriert, sozusagen im Flow ist. Und vielleicht werden wir zwischendurch auch etwas wehmütig.


Jetzt schon deutlich mehr als ein Geheimtipp, später vielleicht eine Legende. Aktuell zu sehen in der arte-Mediathek: Hania Rani beim Piano Day Sorbonne, Paris