Heimat – die Letzte

Edgar Reitz' Heimatepos begleitet mich durchs gesamte Grafikerdasein schon seit der Studentenzeit. „Die andere Heimat" ist mir allerdings auf den ersten Blick fremd, denn obwohl anlässlich der Biennale mit stehenden Ovationen gefeiert, kann ich den kollektiven Jubel nicht ganz nachvollziehen. Und das schlicht deswegen, weil die ersten beiden Zyklen so sehr viel besser waren. Bis dato hatte Reitz für mein Gefühl den epischen deutschen Film klar dominiert, mit „Heimat 3“ vielleicht aber die Konkurrenz nicht mehr so richtig wahrgenommen. – Knapp vier Stunden Kino muss man schon begründen können. Mein letzter Film von dieser Ausdehnung war Lawrence von Arabien. Schlecht zu vergleichen.

Vielleicht waren auch die Erwartungen zu hoch. Die erste Stunde vermisst man auch nichts, denn die Kamera von Gernot Roll ist für das Designerauge reine Labsal. Doch die sonst so tiefgängigen erzählerischen Einfälle aus „Heimat“ und „Die zweite Heimat“ sind selten … Dann endlich stehen sich die beiden Leuchttürme des deutschen Films gegenüber. Reitz dengelt die Sense (nette Allegorie), sitzt aber eigentlich nur im Weg, als Werner Herzog alias Alexander von Humboldt den Hunsrück durchschreitend vermisst. Skurril auch dessen anschließendes Aufeinandertreffen mit der Hauptfigur Jakob. Mutmaßlich ein dialogischer Einfall von Herzog selbst: "Ich bin sprachlos", und die Kutsche rollt davon. Naja.


Versöhnlich, eine feine Metapher zum Abschluss: Die selbst gebaute Dampfmaschine erhält den noch fehlenden Fliehkraftregler, denn nur so ist zu verhindern, dass sie überdreht und sich selbst zerstört. Und deshalb bleibt der Held auch da, wo er hingehört, in der Heimat – und passt auf. Genau von diesen Ideen gab es früher mehr fürs Geld. Trotzdem ein guter Film.