Kalligrafie und Methode

Aufgrund meiner eigenen positiven Erfahrungen halte ich das Schriftschreiben nach wie vor für einen unverzichtbaren Teil der Typografieausbildung. Unter dem Druck, mit der Softwareentwicklung Schritt halten zu müssen, werden handwerkliche Methoden allerdings von manchen Fachleuten eher als Zeitverschwendung angesehen. Deshalb war ich skeptisch, als sich die Münchner Montessori Fachoberschule (kurz MOS) für ihren Gestaltungszweig an Kalligrafieunterricht interessiert zeigte. Ist das Thema nicht wirklich längst durch?

Im Rahmen der internen Praktikumswochen standen auch pro Klasse jeweils nur 2 Wochen zur Verfügung. Das hielt ich für unrealistisch, denn unsereins wurde im Studium jahrelang mit einer Schrift pro Semester beschäftigt.

Genau dieser kurze und bündige Ansatz stellt sich nun aber als höchst effizient heraus. Sehr kompakt, von der Aufgabenstellung kurz getaktet, aber auch mit ruhigen Einübungsphasen, baut der Unterricht hauptsächlich auf die Humanistische Kursive auf und geht schnell ins Experimentieren über. Die Ergebnisse sind sehenswert. Vor allem, da es sich hier um „Digital Natives“ handelt, denen man kaum noch handschriftlichen Ehrgeiz zutraut. Was da alles aus dem gemeinsamen Kulturgedächtnis zum Vorschein kommt!


Ein kleiner Einblick in die Werkstatt: