KI-Agenten im Anmarsch
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Derzeit rollt eine neue KI-Welle über die Websites deutscher Unternehmen. Meine Skepsis gegenüber SEO-Unternehmen – oder besser: meine Genervtheit – hatte sich zwar im Laufe der Jahre gelegt, unser europäischer Datenschutz hat schließlich dafür gesorgt, dass beispielsweise Tracking nicht mehr ohne Zustimmung möglich ist (wer stimmt dem schon freiwillig zu?) und das Controlling mittels imposanter Google-Analytics-Charts aus der Mode gekommen ist. Jetzt beginnt das alte Spielchen von vorne und man kann der Kundschaft erneut Angst einjagen, indem man behauptet, ihre Internetpräsenz sei angeblich nicht für KI-Tools zugänglich.
Man muss sich diese Schildbürgernummer einmal ganz kurz und plakativ vor Augen halten und sich dabei die Frage stellen: Was, bitte, ist das für eine Künstliche Intelligenz, die man jetzt mit besonderer Zuvorkommenheit bedienen muss, damit sie versteht, was auf einer Website geschrieben steht? Also, bei aller Skepsis, ich bin sicher, dass KI eines besonders gut und dazu unfassbar schnell kann: nämlich lesen. Wo also ist das Problem?
Nicht nur, dass unsre Kundschaft derzeit von „Berater*innen" angebaggert wird, auch unser Unternehmen selbst bekommt mit Penetranz fast jeden Tag per E-Mail-Texte wie diesen hier:
„Guten Tag Herr Egerer, das Egerer Designteam in Munich (sic!) setzt auf Ästhetik als Kernelement für den Geschäftserfolg und verbindet digitales mit analogem Design. Ohne klare Sichtbarkeit und Lead-Generierung bleibt diese Leidenschaft für Design ungenutzt, was die Entwicklung Ihrer Bekanntheit hemmt. Was die meisten Lead-Gen-Agenturen nicht sagen: 80% der „Termine“, die sie liefern, sind keine echten Leads. Deswegen schreibt jeder davon, niemand garantiert. … usw. Blabla.“
Nach diesem Schema F kommuniziert eine digitale Drückerkolonne für Pseudo-Consulting – etwas Namedropping, mehr Mühe macht man sich nicht. Das alles in dürftiger Aufmachung, sodass man den SPAM-Charakter schon am Grauwert erkennt. Das „Munich“ hat die KI lustigerweise aus unserer Metabeschreibung aufgeschnappt. Wer jetzt mal (per KI?) etwas weiter stochert, der weiß sofort, dass hier jemand an der Tür klingelt und ohne Unterschrift unter das Coaching-Abo kaum loszuwerden ist. Fazit: einzustufen wie eine Phishing-Attacke.
Zwar bin ich ein ängstlicher Mensch, aber in meinem Beruf konnte man mich noch nie wirklich verunsichern. Die Furcht davor, dass mir die Arbeit ausginge, ist mir eher fremd. Wozu auch. Das liegt möglicherweise auch daran, dass wir gute Arbeit liefern. Und gelernt haben, den Quacksalbern unserer eigenen Zunft erfolgreich aus dem Weg zu gehen. Ich gebe diese Lebenserfahrung gerne an unsere Kundschaft weiter.
KI-Anbieter haben einen langen Atem. Erst, wenn wir glauben, dass es ohne sie nicht mehr geht, werden sie richtig viel Geld von uns haben wollen. Als Designer habe ich schon erlebt, wie uns die Software-Dealer jahrelang billig oder umsonst beliefert haben, um dann auf Return on Investment umzuschalten. Siehe Adobe, die ihr InDesign jahrelang wie Sauerbier feilboten, bis wir alle am Fliegenfänger hingen. Wohl dem, der gelernt hat, auch ohne KI zu layouten, zu illustrieren oder zu texten. Zumindest für den „Notbetrieb“. ;-)
