Und ruhig fließt der Rhein

Blick vom Drachenfels auf Nonnenwerth


Die Dinge bestimmen unser Verhältnis zur Welt. Der Mensch definiert sich radikal neu, seit er sein Leben nicht mehr nach dem natürlichen Licht, sondern nach einem Ding wie der Uhr ausrichtet. Zudem markiert der Entwicklungsstand von Technik und Medien eine emotionale Trennlinie zwischen den Generationen. Man mag sich noch so digital-logisch bemühen, ist der Antrieb dem Geburtsjahr zufolge analog-sozial-romantisch, wie in meinem Fall, dann bleibt er auch so. Aus meiner glücklichen Kindheit wirken darum zwei Dinge nostalgisch nach. Das ist zum einen ein warmtönendes Radio und zum anderen eine Küchenuhr mit ihrer eigenen Darstellung vom Lauf der Zeit.

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In Flanders Fields


Der Königsplatz hat schon ein ganz besonderes Flair, erhaben und bizarr zugleich in seinem typischen Wittelsbacher Klassizismus. Seit Wochen entsteht auf den Wiesenflächen eine wundervolle Installation. Heute nun die Gedenkveranstaltung anlässlich des 100. Jahrestages des Endes des Ersten Weltkrieges. Im Mittelpunkt steht jetzt diese Kunstaktion mit 3.400 Klatschmohnblumen, die als Symbol für die gefallenen Soldaten und die Schrecken des Krieges stehen. Die rote Farbe der Mohnblumen, die in einem Meer auf dem Platz verteilt sind, erinnert an das vergossene Blut und die Opfer, die der Krieg gefordert hat. Eine kraftvolle, wenn auch entlehnte Metapher, die dazu einlädt, innezuhalten und über die Bedeutung von Frieden und Erinnerung nachzudenken.

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1648 – Lang erhoffte Friedenstaube

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Fünf Jahre schließlich dauert der Kongress zu Münster und Osnabrück. Im Ergebnis wird der Westfälische Frieden die maßgebliche diplomatische Referenz für alle späteren Konflikte in Europa. Selbst aus heutiger Sicht ist der Vertragsumfang monströs und detailverrückt. Da fällt einem spontan die Stammtisch-Parole von der europäischen Überregulierung ein. Ein absurder, aber immer wiederkehrender Vorwurf an ein normales Vertragsgefüge. Denn wie bitte sollen alle Interessen gewahrt werden, wenn man sie nicht glasklar definiert und verbindlich aufschreibt? Die so flapsig geforderte Großzügigkeit beim Abfassen von Verbindlichkeiten bezieht sich auch meist auf die Interessen der Anderen. Die eigenen Anliegen dagegen hat man gerne ausführlich getextet, in Schwarz auf Weiß, um sie getrost nach Hause zu tragen. Die Forderung nach simplen Konzepten zeugt vom Unverständnis für das komplizierte zivile Leben – wenngleich die ein oder andere Unternehmensberatung genau das vorschlagen würde. Im Falle des Westfälischen Friedens ist auch leider keine win-win-Situation mehr drin.

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1633 – C'est la guerre! Jacques Callot

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Ein Achselzucken, eine Redewendung: so ist der Krieg! Das Volk sieht keine Chance dem Schicksal zu entgehen. Man muss sein Kreuz tragen, alles ist Fügung, Gott will es!

Da hatte man sich in der Renaissance einen progressiven Humanismus und eine strahlende Zukunft erwartet und jetzt diese deprimierende Rückschläge! Selbst die Natur hat sich gegen Mensch und Tier verschworen, stürzt Europa in die Klimakatastrophe der „Kleinen Eiszeit“, bringt Missernten, Kälte und Hunger und die Religionen sind bei allem kein Trost, sondern das noch größere Übel. Im Grunde kann die Renaissance nicht die große wissenschaftliche Zeitenwende gewesen sein. Denn selbst im Barock beschwört der Klerus mit aller Macht das längst widerlegte ptolemäische Weltbild. Die Sonne dreht sich um die Erde, der Himmel hat sich verdunkelt, Galilei hat Hausarrest. – Weil Gott es so will?

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1618 – Von Rauch und starken Winden

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Im laufenden Jahr 2018 gibt’s nicht wirklich viel feiern. Ein Jahr wie gemacht für posttraumatisch belastende Jubiläen und eine kleine Zeitreise zurück zum mutmaßlichen Ursprung aller deutschen Paranoia – auf den Tag genau vor 400 Jahren beginnt in Böhmen der Dreißigjährige Krieg. Manch einer sucht und findet darin einen genetischen Grund für die dunkle Seite des deutschen Gemüts, die Verzagtheit und Zwanghaftigkeit, das Misstrauen gegenüber lebensfrohen Völkern, das mitunter erbärmliche Temperament zwischen Überschätzung und Minderwertigkeitskomplex. Woher sonst rührt die German Angst, wenn nicht aus dieser schweren frühen Kindheit?

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Neues Friedenslogo gefällig?


Die Frankfurter SCHIRN Kunsthalle hat einen Logowettbewerb abgehalten, um dem Weltfrieden ein zeitgemäßes Branding zu geben. Die Aktion ist an sich bedeutungslos und kaum der Erwähnung wert, wäre sie nicht in ihrer pseudo-politischen Ausrichtung so fadenscheinig und im Ergebnis so unnütz. Aus den eingesendeten Entwürfen hat die hochkarätige Jury schlussendlich einen blauen Punkt ausgesucht. Zwei Designer hatten dieselbe Idee, in verschiedenen Blautönen. Wer Spaß daran hat, mag danach googeln, aber einen blauen Punkt wird man auch so imaginieren können. Kein Grund zur Aufregung, aber vielleicht doch Anlass, sich drei Fragen zu stellen.

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Think positive – all over Europe!


Verkehrte Welt. Da gehen uns die USA manchmal mir ihrem Positivismus auf die Nerven und jetzt müssen wir selbst diese Mentaltechnik anwenden. Um möglichst ein gesittetes Vorbild zu bleiben, während die Amerikaner uns den Mittelfinger zeigen. Sei's drum, die Realpolitik in Europa startet im entscheidenden Wahljahr 2017 mit einem klaren Ja der Niederländer zur Einheit in Vielfalt.

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Pulse of Europe – wir sind die Mehrheit!


Das Wichtigste zuerst: sich in der Öffentlichkeit zeigen und physisch sichtbar werden, deutlich zu machen, dass die überwiegende Mehrheit ein freies und vereintes Europa behalten und gestalten will – das ist die zentrale Botschaft von „Pulse of Europe“, einer überparteilichen Bürgerbewegung, die sich in immer mehr Städten organisiert und der man sich anschließen sollte. Das Wichtigste ist, die sicher geglaubten Dämme nicht einbrechen zu lassen, denn der primitive Populismus drückt mit der penetranten Aggressivität des Wassers dagegen und sickert in jeden noch so kleinen Riss. Angesichts des Brexit-Desasters, der Trump-Katastrophe und des drohenden Rechtsrucks in den Niederlanden und Frankreich, sind alle Luxusprobleme erst mal nachrangig. Das Wichtigste ist ein klares Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, zum liberalen Rechtsstaat, zu einem friedlichen, starken Europa!

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Das moralische Gesetz in uns

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Wem Trumps Thronbesteigung verständlicherweise die Sprache verschlagen hat, sollte sich langsam aber sicher aus der Schockstarre lösen, denn in naher Zukunft wird unsere ganze Aufmerksamkeit verlangt. Ein leises Gemaule reicht nicht gegen die vorlauten Dumpfbacken, die sich gesucht und nun gefunden haben, ab sofort aber von uns kräftigen Gegenwind spüren müssen. Egal, wie altklug sich das jetzt anhört: es geht um nichts weniger, als um die Ideale der Aufklärung und unsere moralischen Verpflichtungen. Die Meisten langweilt vielleicht der philosophische Überbau unseres Systems, aber ohne den können wir einpacken. Durch weltferne Ignoranz riskieren wir leichtfertig den Verlust unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung.

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McFly antwortet nicht!

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Schluss mit lustig! – Wer oder was ist McFly und was soll der Quatsch mit dem Fluxkompensator? Meine alberne Ironie aus dem letzten Beitrag tut mir fast schon wieder leid. Die Zeiten sind nicht komisch, vielleicht deshalb dieser Galgenhumor, eine Übersprungshandlung als Reaktion auf die immer neuen, roten Warnlampen, die da aufleuchten. Das generiert eine Paranoia, wie bei Systemabstürzen am Mac oder PC, kurz bevor sich die Festplatte verabschiedet.

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