M – Eine Stadt sucht einen Mörder

Wer sich via Autobahn dem Münchner Flughafen näherte, sah sie schon von weitem, die edlen Versalien, plakativ, klar, unprätentiös. Und jetzt: Ende der Ausbaustrecke. Da hatte man mal ein herausragendes Gesamtkunstwerk aus Architektur, Technik und Typografie und schon kommt wieder so eine Branding-Bande angeritten und schießt aus der Hüfte mal kurz in den Ofen. Heraus kommt ein billig aufgebackenes M mit buntem Schrägstrich, programmatisch „Connector“ getauft. Sieht blöd aus, hört sich aber gut an und wird infolge dieser erbärmlichen Logik zum Vehikel einer larifari Unternehmensreligion: connecting people – immer wieder gerne gekauft. Plus das unvermeidliche YouTube-Filmchen zum fremdschämen.

Otl Aicher und Erberhard Stauß, die mit viel Gespür das genial einfache Erscheinungsbild für den Flughafen entwickelten, hatten noch Charakter. Sie stehen nach wie vor für funktionales Design, stilsicher und konsequent in der Anwendung. So sehen progressive Konzepte für Gegenwart und Zukunft aus. Ohne bemühten Schnickschnack, der von Anfang an langweilt.

Aber genau darum geht’s leider manchmal. Öfter mal was Neues. In wenigen Jahren steht das nächste Rollkommando vor der Tür.


Artikel Designtagebuch Artikel Süddeutsche Zeitung, mit jeweils guten Kommentaren!