Mein Name ist Hase

Illustration Titus Dannhöfer


Kommunikationsdesign ist ein weites Feld und eines der größten Privilegien ist die ungenierte Freiheit mit der dieser Beruf ausgeübt werden kann. Wer fragt uns schon nach Zeugnissen, Diplomen oder Titeln? Gutes Design erkennt man auch ohne akademische Vorzeichen, Quereinsteiger machen unverkrampft Karriere, ohne die höheren Weihen irgendeines Studiums. Dem konservativen Akademiker stehen bei so was die Haare zu Berge. Verständlich, denn er hat sich bienenfleißig und ernsthaft qualifizieren müssen. Kann dann aber eine amtliche Beglaubigung seiner Qualitäten vorweisen und deshalb bereits im Vorfeld die angemessene Ehrerbietung erwarten. Sofern ihm nicht eine maliziöse Expertenkommission diese Ehre wieder abschneidet.

Nichtsdestotrotz ist das Statusdenken in der Designszene mitunter ein wehleidiges Thema. Vor vielen Jahren schon beklagte die Zeitschrift „form“ den Umstand, in Design und Architektur nicht auf direktem Wege promovieren zu können und entwickelte, quasi zur Kompensation, eine Reihe von indirekten Ausweichmanövern: vielleicht hinterher besser noch mal was Gescheites studieren? Philosophie? Kommunikationswissenschaften? Archäologie? Psychologie? Doppelt genäht hält besser. Kleiner Webfehler im elitären Sinnen und Trachten: mit dem bereits studierten Traumberuf hat das nur am Rande was zu tun und jünger wird man von der Aktion auch nicht.



„Falscher Hase", T-Shirt-Print + Illustration Titus Dannhöfer

Lebenslanges Lernen ist schön und gut, aber wenn's dumm läuft, wird daraus lebenslanges Nachsitzen, um nicht zu sagen Hinterherhinken. Für die Generation Praktikum ist das kaum noch zu trennen, denn ständig werden ihr neue Qualifikationen und Zugeständnisse abverlangt. Nach dem Hase-und-Igel-Prinzip ist ja immer schon einer da, der als Nächster umsonst arbeitet. Selbst im Märchen lässt der Clevere den Hyperaktiven springen. Das nagt am Selbstbewusstsein und manch einer mag versucht sein, akademisch weiter oben einzusteigen, damit endlich einmal Ruhe ist mit den Respektlosigkeiten. Nun ja, wer's braucht … Weiß man doch seit Joseph Beuys, dass es sinnvoller wäre einem toten Hasen die Bilder zu erklären.¹

Zu Ostern scheint die Sonne. Da sitzt das Freiwild auf weiter Flur und genießt die Ruhe.


__________

¹ Düsseldorf 1965 – Performance oder akademische Eulenspiegelei?
Joseph Beuys ohne Hut aber mit Blattgold überzogen und totem Hasen auf dem Schoß.



Bildquelle: IMAGO / Funke Foto Services. Fotos von Walter Vogel.
Ausstellung von Bert Gerresheim und Walter Vogel in der Galerie von Fraunberg. Deutschland.