Neues Friedenslogo gefällig?

Die Frankfurter SCHIRN Kunsthalle hat einen Logowettbewerb abgehalten, um dem Weltfrieden ein zeitgemäßes Branding zu geben. Die Aktion ist an sich bedeutungslos und kaum der Erwähnung wert, wäre sie nicht in ihrer pseudo-politischen Ausrichtung so fadenscheinig und im Ergebnis so unnütz. Aus den eingesendeten Entwürfen hat die hochkarätige Jury schlussendlich einen blauen Punkt ausgesucht. Zwei Designer hatten dieselbe Idee, in verschiedenen Blautönen. Wer Spaß daran hat, mag danach googeln, aber einen blauen Punkt wird man auch so imaginieren können. Kein Grund zur Aufregung, aber vielleicht doch Anlass, sich drei Fragen zu stellen.


Die erste Frage, die sich spontan aufdrängt, ist die nach der Motivation für ein solches Projekt. Warum, wozu, weshalb noch so ein Symboldings? Der gemeine Gebrauchsgrafiker fragt sich das und mir fällt spontan einfach nix ein, weil es pfundweise Friedenlogos und Symbole gibt, die schon jeder kennt. Ein neues Logo ist ja per se keine Lösung, sondern für einen langen Zeitraum immer auch Teil des Problems, denn solange ein Logo noch nicht als Symbol positiv aufgeladen ist, bleibt es völlig neutral und meist unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Um ein Zeichen öffentlich bekannt zu machen, braucht man Geld und Zeit. Beides kann man sich sparen, wenn es keinen Bedarf gibt. Und beides sollte man sich sparen, wenn es Wichtigeres zu tun gibt.

Nächste Frage: darf man seine eigene Branche verunglimpfen? Warum nicht? Angesichts der momentanen Lage stehen nicht die Befindlichkeiten einer Kulturschickeria im Fokus. Deren Selbstdarstellungsreflexe haben ja auch kein Problem damit, professionelle Entwurfsarbeit zu schnorren. Man formuliert einen pomadigen Ausschreibungstext, zahlt rein gar nichts für ein Füllhorn fremder Ideen (lediglich eine mickrige Prämie für die Preisträger) und macht sich anschließend damit berühmt. – Wer wirklich etwas für den Frieden und gegen die rohe Gewalt artikulieren will, der malt mit groben Pinsel auf ein Stück Wellpappe oder besprüht die Wände, aber organisiert sicher keinen hippen Designscheiß mit Preisverleihungsgala.

Zugegeben, ich bin schon immer skeptisch was den Nutzen und explizit die Aussageklarheit von Logos angeht. Im formellen Kontext kann ein Signet gut funktionieren. Bei konkreten politischen Projekten und Events haben sie durchaus ihren Sinn. Sie sind gewissermaßen das Siegel, das die begleitenden Medien autorisiert. Wer aber braucht ein offizielles Friedenslogo? Abgesehen vom zweifelhaften Nutzen stellt sich als letztes die Frage nach den Verwertungsrechten und damit den Verwertungsrechteinhabern. Wer verwaltet (möglicherweise) die Lizenz? Gerald Holtom, der Schöpfer des wohl bekanntesten Peacezeichens aus dem Jahr 1958, hat für sein Werk nie einen Gebrauchsmusterschutz beantragt. Das waren noch Zeiten.


Kleine Bildergalerie der SZ über das tradierte Logo von Gerald Holtom
Deutschlandradio Kultur: „Auf der Suche nach einem neuen Peace-Zeichen“

Und noch ein Blick zum Himmel …