Once Upon a Time in the West

Foto: IMAGO / Leemage

Vor 70 Jahren gelingt den Amerikanern, mit der unverhofften Eroberung der fast unbeschädigten Rheinbrücke bei Remagen, deutlich früher als geplant die Überquerung und damit das Vorrücken ins Zentrum Deutschlands. Am 17. März stürzt die Brücke zwar ein, strategisch ist die Lage aber unter Kontrolle und zwei Monate später ist der Spuk vorbei. Die Brücke hat ihre Schuldigkeit getan und wird nie wieder aufgebaut.


Mit dem Ende der Aggression besteht die Chance zur Kommunikation. Und die Amerikaner haben sich gewissenhaft, respektvoll und vorausschauend auf diesen Moment vorbereitet. Nachzulesen ist das im „Pocket Guide to Germany“, den damals jeder GI im Gepäck hat.

Ein Kompendium aus Marschbefehl, Vokabelheft und Bedienungsanleitung für das besetzte Deutschland. Mit strengen Verhaltensregeln, geografischen und kulturellen Erläuterungen und ein paar hilfreichen Phrasen für den Dialog. Ein kleines Format für die große Mission, im Grundtenor ungewöhnlich moderat. Rückblickend kann man ganz getrost davon ausgehen, dass unsere amerikanischen Freunde auch wirklich die Guten waren. Selbst ein Errata-Zettel für die exotischen Umlaute wird mitgeliefert. Politisch wie orthografisch, alles korrekt.

Es heißt ja Kommunikation sei alles, aber wie geht man auf ein Volk zu, dass ideologisch völlig unkalkulierbar ist? In einem Land, dass – auch ethisch – alle Brücken hinter sich abgebrochen hat? Die Weltmacht USA denkt und handelt in der Zeitgeschichte mitunter gefährlich naiv, im Pocket Guide wird dagegen klug analysiert und argumentiert. Er ist Teil eines Befriedungskonzepts, das einmal die entscheidende gesellschaftspolitische Kampagne im Nachkriegseuropa werden soll, an dessen Ende unser „Wirtschaftswunder“ steht.

Um den Wiederaufbau in Westdeutschland ranken sich viele stolze Mythen, aber die angeblichen Wunder sind das glückliche Ergebnis einer grundsoliden Strategieleistung vorwiegend amerikanischer Politik- und Wirtschaftsexperten. Mit am Tisch sitzen fallweise auch PR- und Werbefachleute. Der kommunikative Ansatz ist beeindruckend und alles andere als selbstverständlich. Die USA haben es mit der Demokratie wohl tatsächlich einmal sehr ernst genommen.

Andererseits: mit dem schnellen militärischen Erfolg hatte man ja nicht unbedingt rechnen können. Für die Zeit ab Juli, mit Fertigstellung der Atombombe, waren ganz andere Pläne in der Schublade. Eine Lektüre im Pocket Guide to Germany hätte sich danach erübrigt.


Auszüge aus dem Reprint (siehe Markierung Seite 3) Link Originalausgabe