Haben Sie manchmal Déjà-vus?

Fotovorlage Ash Hayes on Unsplash


Im Filmklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“ lautet die Antwort der bemühten Pensionswirtin: „Normalerweise nicht, aber ich kann ja mal in der Küche nachsehen“. Das ist auf sehr charmante Weise lustig, überhaupt finde ich den ganzen Film witzig und intelligent. Ich hatte sogar kurz die Idee, mich morgens mit „I got you babe“ auf dem Handy wecken zu lassen, schon weil Cher ein erster Jugendschwarm für mich war, aber dann war mir das Experiment doch zu heikel. Wer weiß schon, wie das Unbewusste auf solche Späße reagiert? Das plötzliche Déjà-vu ist ja immer etwas unheimlich – eine seltsam unwirkliche Überlagerung der eigenen Vorstellungswelt mit Fantasien und Erwartungen, diese wahrhaft surreale Doppelbelichtung von Erinnerung und Realität. Manchmal beklemmend, unheimlich, manchmal einfach nur etwas verrückt und schnell wieder vergessen.

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Misses next match!


Es sind so kleine Sachen, die einen impulshaft aus der Lethargie reißen können. Folgende Situation: WM im Fernsehen, CMR:BRA, 22:26 Uhr MEZ und dann die sonderbare Einblendung: „Der Digitalreceiver schaltet sich in 03:32 Minuten ab, weil in den letzten 4 Stunden keine Aktivität stattfand.“ Wie bitte? Kamerun hat gerade gegen Brasilien ein Tor geschossen, und ich schau doch aufmerksam zu? Mir bleiben knappe drei Minuten zum Nachdenken.

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Die Handschrift als Backup im Kopf


Gelernt ist gelernt, aber gelesen ist nicht begriffen! – Die Neurowissenschaft belegt, dass manuelles Schreiben sehr viel intensiver die gelernte Schrift im Gehirn verankert, als eine Eingabe über die Tastatur oder das Lesen allein.

Der britische Neurologe Oliver Sacks schildert den Fall eines Mannes, der am Morgen wie üblich die Zeitung aufschlägt und feststellt, dass der Text völlig unverständlich ist. Es sind die vertrauten Buchstaben, doch ergeben sie keinen Sinn. Zuerst glaubt er an einen Jux seiner Freunde, doch wer sollte eine Zeitung derart aufwändig gefälscht haben? Obwohl er sich völlig normal fühlt, wird ihm schnell klar, dass es nur eine Erklärung für das Buchstabenchaos gibt: er muss in der Nacht einen Schlaganfall erlitten und infolge dessen das Lesevermögen verloren haben. So weit, so tragisch, aber jetzt kommt das eigentlich Verblüffende. Er nimmt sich einen Kugelschreiber und schreibt, so wie immer. Er kann das Geschriebene selbst nicht mehr lesen, aber er kann sich nach wie vor schriftlich mitteilen. Wie ist das zu erklären?

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München liest aus verbrannten Büchern


Die jährliche Gedenkveranstaltung auf dem Königsplatz, einem der kunsthistorisch imposantesten und politisch beklemmendsten Orte in München, hat ein beindruckend klares Konzept.

Auch wenn in diesem Jahr die Vortragendenden annähernd ihr eigenes Publikum stellten, es ändert nichts an der Tatsache, dass hier auf eine sehr angemessene Art an ein intellektuelles Desaster der deutschen Vergangenheit erinnert wird – leise, beharrlich und ohne moralisierenden Populismus. Der Straßenverkehr wird umgeleitet und fünf Stunden lang lesen Autoren, Schauspieler und Bücherfreunde Texte von Autoren, die verfolgt, verjagt oder ermordet wurden. Auf der Wiese die Gedenkfähnchen mit den Namen der Verfemten, daneben der obligatorische Brandfleck des Aktionskünstlers Wolfram P. Kastner.

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Und dann und wann ein weißer Elefant

Foto Insert: iStock


Schwer zu sagen, wie lange sich das Karussell schon dreht. Mindestens ein Dutzend Jahre schon vermarkten wir fröhlich und erfolgreich das Projekt Münchner Ferienpass und immer wieder geht’s nach der Saison sportlich fair in den Wettbewerb. Kurz warten, dann erscheint er wieder, der weiße Elefant …

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Gruppenbild mit i-Dötzchen


Kleine sentimentale Pause – heute vor 50 Jahren hatte ich meinen ersten Schultag. Wenn man sich rückblickend der einschneidenden Lebensveränderung gewahr wird, ist das im Grunde so eine Art zweiter Geburtstag, aber wer hat sich dieses Datum jemals wirklich eingeprägt?

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Wiki-Battle: Vater vs Sohn

Foto: AdobeStock


Quizduelle sind zwar die Zerstreupest dieser Tage, Wiki-Battle ist als Spielidee allerdings ganz witzig: den Links in Wikipedia folgen, um zwei unzusammenhängende Einträge miteinander zu verbinden. Also nicht gerade „München“ und „Oktoberfest“, da stünde der zielführende Link bereits auf der Ausgangsseite, sondern beispielsweise „Augustinerbräu“ und „Frank Zappa“. Immer nur den internen Links folgen, bis der erste von zwei Spielern (oder mehr) beim Zieleintrag ankommt. Das schöne daran, sonst wär's nicht der Rede wert, es hat was generationengerechtes, weil ein alter Kopf auch mal sein Potenzial nutzen darf, um gegen den Online-Skill der Däumlinge einen Punkt zu machen.

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Jolly Joker Blues


Katzenjammer oder Politgeschwurbel – dafür ist immer der Aschermittwoch gut. An solchen Tagen hockt der Joker melancholisch am Rande der Szenerie und fragt sich still, warum eigentlich niemand auf ihn hört. Er beklagt sich tunlichst nicht laut über die mangelnde Anerkennung, denn seine eigene Respektlosigkeit hat ja auch Methode.

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alphabet – Film von Erwin Wagenhofer

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„Nach WE FEED THE WORLD und LET'S MAKE MONEY ist ALPHABET der abschließende Teil einer Trilogie, der die Themen der beiden vorherigen Filme nochmals aufgreift und wie in einem Brennglas bündelt.“ (Zitat alphabet-film.com)

Ein lakonischer Film mit folgender Kernthese: Menschen verlieren mit fortschreitender Schulbildung immer weiter ihre angeborene Genialität im Sinne der Denkflexibilität, Fantasie und Vielfalt. Das Nur-eine-Lösung-ist-richtig-Dogma globaler Bildungssysteme führen Wagenhofer und seine Referenten auf ein volkswirtschaftliches Kalkül zurück, dass natürliche Begabungen nach ökonomischen Bedürfnissen zurechtstutzt und damit in Kindheit und Jugend systematisch vernichtet. – Den trüben Verdacht haben wahrscheinlich viele, die seit dem PISA-Schock für ihre Schutzbefohlenen verzweifelt nach Fluchtwegen suchen, als wäre Bildung eine Pandemie.

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Die Entdeckung der Einfachheit


Immer wieder zuerst die Beklemmungen, wenn eine Idee nicht aufgeht, egal wie zäh man auch daran herumfeilt, etwas wegnimmt und wieder hinzufügt … und dann unvermittelt das erhabene Gefühl, wenn endlich das Ei des Kolumbus vor uns senkrecht auf dem Schreibtisch steht. Der Glücksrausch des Entdeckers steht noch weit über dem Stolz des Eroberers!

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