Portrait versus Mugshot

Bildquelle Wikimedia Commons

Manch einer, der sich wie unsereins ein Leben lang mit Bildern und Darstellungsweisen beschäftigt, hat zuzeiten das trostlose Gefühl, dass sich vieles von selbst nihiliert, weil es mittlerweile von allem so unerträglich viel zu sehen gibt. Spielen die Jahrtausende alten Ideale überhaupt noch eine Rolle, oder gibt es nur noch ein einziges chaotisches Durcheinander von im besten Falle belanglosen Handyfotos?

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Wahrnehmungstest im Feldversuch

Foto: IMAGO / Jan Huebner

Mein aktuelles Lieblingsfoto. Und jeder weiß sofort Bescheid – wahrscheinlich noch in Jahren. Die Poesie des Augenblicks, vom Fotografen noch sensibel eingefangen, verödet leider zu schnell im spießigen Moralfernsehen und wird im Shitstorm hinweggefegt. Als gäbe das medial nicht deutlich mehr her! Viel interessanter – aus Sicht des Kommunikationsprofis – ist doch der Feldversuch an sich: wie lange bleibt also ein sportiver Zaubertrick unentdeckt? Wahrnehmungspsychologie ist anschaulicher kaum zu vermitteln. Mit der Erklärung folgt allerdings statt der Analyse die Empörung. Schade.

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Heimat – die Letzte

Oberes Mittelrheintal – Weltkulturerbe

Edgar Reitz' Heimatepos begleitet mich durchs gesamte Grafikerdasein schon seit der Studentenzeit. „Die andere Heimat" ist mir allerdings auf den ersten Blick fremd, denn obwohl anlässlich der Biennale mit stehenden Ovationen gefeiert, kann ich den kollektiven Jubel nicht ganz nachvollziehen. Und das schlicht deswegen, weil die ersten beiden Zyklen so sehr viel besser waren. Bis dato hatte Reitz für mein Gefühl den epischen deutschen Film klar dominiert, mit „Heimat 3“ vielleicht aber die Konkurrenz nicht mehr so richtig wahrgenommen. – Knapp vier Stunden Kino muss man schon begründen können. Mein letzter Film von dieser Ausdehnung war Lawrence von Arabien. Schlecht zu vergleichen.

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Hare Krishna & Calligraphy

Seit ein paar Jahren interessiert sich die breite Masse, darunter vor allem die U21-Fraktion, ernsthaft für so was Unscheinbares wie Typografie. Das wundert und freut uns Schriftgelehrte, hat aber einen einfachen Grund. Um der blöden Handystreichelei einmal etwas positives abzugewinnen: es sind auch die Smartphones, die das Auge für gutes Typodesign schulen. Da hat sich, dank Apple, ein richtig guter Standard eingeführt. Auf kleinstem Raum Inhalte gut strukturieren, nicht nur Lesbarkeit, sondern Leselust erzeugen, dass kann man eben nur mit professioneller Typografie. Wie sensibel der rotznasige User mittlerweile geworden ist, sieht man ironischerweise an Apples iOs 7, an dem dann heftig die blutarme Typografie kritisiert wird.

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„The End of Print – is a book“

Wenn mal wieder der Untergang der Printmedien angekündigt wird, fällt mir spontan dieser Halbsatz von David Carson ein, mit dem wir uns vor Zeiten einen langen Abend über intensiv austauschen konnten. Die Kampagne „Impressions '98“ für unseren Kunden Fedrigoni fand wie üblich einen repräsentativen Abschluss mit dem Vortrag eines prominenten Designers. Das Liberty-Konzept hatte uns bewogen den gelernten Soziologen, Profisurfer und Typofreak Carson einzuladen. Im Frankfurter Sheraton referierte Carson über sein Wunschthema "what paper means to me" und begann seinen Text mit den Worten „The end of print is a book,“ … und in seine Atempause hinein wiederholte meine Frau neben mir leise, aber trotzig „… is a book!“

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Typografie des Terrors?

Das Münchner Stadtmuseum hat eine imposante Sammlung der Gebrauchsgrafik, darunter auch Werke einer sonderlichen Plakatkunst, die man mit Fingerspitzengefühl moderieren muss, weil sie noch immer unvermittelt zweifelhafte Botschaften aussenden, sobald sie denn wieder an der Wand hängen. Das Wichtigste überhaupt scheint da erst mal der Titel: „Typografie des Terrors“ klingt politisch korrekt, ist lautmalerisch eingängig, und als Claim zugleich kritisch distanziert. De facto aber ziemlich spekulativ und de jure einfach unwahr – denn wo bitte, terrorisiert hier die Typografie?

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(white)Album

Wer vom weißen Album erzählt oder hört, der meint meist wohl die legendäre Doppel-LP der Beatles. Kultursinnige Menschen wissen natürlich, dass ein Album seiner Farbe wegen so heißt und ein „weißes Album“ eine Art „weißer Schimmel“ ist. Fraglich auch, ob sich die Fab Four bewusst für die weiße, schmuck- und titellose Hülle entschieden haben, weil ihre unsortierte Liedersammlung nahezu literarisch in das klassisch-romantische Album-Format passt, das ja dafür geschaffen ist, persönliche Eindrücke in loser Folge auf blütenweißem Grund aufzunehmen. Dem sehr gebildeten Produzenten George Martin wäre es auf jeden Fall zuzutrauen.

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Anhang, Coda, Fade-out?

Coda – ein vielsagendes Symbolzeichen

Um es gleich vorweg zu nehmen: ein regulärer Blog mit tagtäglichen Beiträgen wird das hier nicht, denn ich will es mit dem Erklären nicht übertreiben. Selbstverständlich gehört Klappern zum Handwerk und gerade Konzeptionelles sollte auch deutlich kommentiert werden. Aber wir haben es auf allen bisherigen Internetpräsenzen stets so gehalten, dass die sichtbaren Ergebnisse, das Design selbst, ausführlich dokumentiert ist. Einzig und allein das konkrete Arbeitsbeispiel liefert den gültigen Beweis, ob man wirklich den Entwurf beherrscht oder nur den Branchenjargon. Soll heißen, wir meinen das „what you see is what you get“ wirklich ernst.

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