Die gebrochene Existenz

Apropos Fraktur – das Thema im vorigen Beitrag gibt ja einen kleinen Einblick in unser typografisches Erbe, das allerdings keiner mehr antreten will. Sie hat nämlich einen ordentlichen Knacks weg, unsere Schrift, die wir Jahrhunderte lang als äußere Gestalt der Muttersprache gehegt und gepflegt und letztlich dann einfach vergessen haben. Die Erklärung für Ihr allmähliches Verschwinden ist banal und wenig geheimnisvoll. Formen sind irgendwann nicht mehr gefragt, Stile kommen aus der Mode. Gebrochene Schriften wurden nicht verdrängt oder verraten, sondern schlicht und ergreifend immer weniger benutzt. Nur weil es so schön ins Bild passt, sind sie allesamt durch die Nazidiktatur unter Generalverdacht geraten, wenngleich diese Größenwahnsinnigen sie rigoros abschaffen wollten. Die Gründe sind spekulativ, die medialen Konsequenzen waren aber bescheiden, denn im Zeitalter des Bleisatzes tauscht man nicht von heute auf morgen die Buchstaben aus.
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