Mr. Turner – Meister des Lichts

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Mike Leigh hat die letzten Jahre im Leben des Joseph Mallord William Turner verfilmt. Ein überlanger, eindrucksvoller Kinofilm mit großartiger Fotografie, beschaulich und anekdotisch, authentisch und ein wenig trostlos – Turners Leben war wohl so.

Der Film beginnt mit tiefgründiger Szenerie: morgendlicher Dunst über flämischer Flusslandschaft mit Mühle. Zwei Mägde nähern sich schwatzend. Als sie durch Bild gehen, kommt am anderen Ufer im Gegenlicht die Schattenfigur eines korpulenten Zeichners mit Zylinder ins Blickfeld. Sie gehen vorbei, ohne ihn wahrzunehmen. Turner, in die Arbeit vertieft, einsam auf weiter Flur.

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Kreuzzug der Schafsköpfe

Fotovorlage: AdobeStock


Auch heute sammelt sich in Dresden wieder eine kleine Herde von gelangweilten Zeitgenossen, um schwarzrotgoldene (?!) Kreuze zu tragen. Was müssen diese drei Farben nicht noch alles aushalten? Schade um das prachtvolle Elbflorenz, jetzt zum Wallfahrtsort politischer Hinterwäldler zu werden – noch dazu am symbolhaften Montag. Peinlich.

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Zeichen und Wundertüten


Das Erscheinungsbild der Liberalen gibt es seit gestern in lustigen Farben. Was haben die nicht alles schon ausprobiert, um auf sich aufmerksam zu machen? Und immer wieder ist sie gleich verpufft, die heiße Luft. Und die gute Laune. Dabei gibt es in deren eigenen Reihen ein wackeres Fähnlein von PR-Fachleuten, Medienexperten und Unternehmensberatern und trotzdem mag ihnen kaum jemand die keck werbenden Botschaften abkaufen. Jetzt dieses typografische Knallbonbon. Ist es nicht fast ein bisschen traurig, dass diese Beratervölkchen sich selbst nicht zu helfen weiß mit seiner Beraterei?

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Der Geist vom Paulusplatz


Zu meinen schönsten Erfahrungen gehört, in einem richtigen Musentempel studiert zu haben. Eine Kunstschule wie gemalt, mitten in einer sehr alten, sehr schönen, sehr provinziellen Stadt. Meine sentimentale Rückblende bezieht sich mehr auf den Geist des Ortes, weniger auf das Personal anfangs der achtziger Jahre. Es war die umständliche Zeit vor der Erfindung des Macs, unsere Professor(inne)n, mit Verlaub, doch ziemlich hinterm Mond und wir Studierenden plagten uns noch mit Ziehfedern. Alles dauerte ewig und brachte nicht viel ein. Keiner wollte mehr grafisch so arbeiten wie früher und so wie heute ging's eben noch nicht. Richtig gutes Design hat sich unsereins später selber beibringen müssen. Finde ich aber nicht schlimm. Ging ja allen so.

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Kleiner Neujahrszauber


Alles auf Anfang! Das Thema Symbolismus von gestern macht ja nicht wirklich euphorisch. Zum Glück gehören zum magische Dreieck des Jugendstils noch das blumige Ornament und Liebe zur Natur. Also raus in Licht, Luft und Sonne! Dieser erste Januar ist ideal, um eine gemütvolle Weihnachtsmelancholie aufzulösen. Und die Lebensgeister tanzen wieder durch den Park.

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Von Scheinwelten und tragenden Brücken

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Die Kraft der Zeichen und Symbole ist uns ständig bewusst, aber nie ganz geheuer. Wenn der Mensch keine klaren Fakten hat, dann will er orakeln, deuten und spekulieren. Allerdings empfinden wir im Ungewissen je nach persönlichem Temperament sehr unterschiedlich. Und damit ist die Welt der Symbolik variabel für diffuses Wunschdenken und Illusionen oder eben Sorgen und Ängste. Das kann man künstlerisch sublimieren oder werblich instrumentalisieren. Die Frage ist, wie weit unsereins das Spielchen treibt und ab wann man sich möglicherweise mehr Misstrauen und Ablehnung einhandelt, anstatt die gewünschte Aufmerksamkeit und Begeisterung zu erzielen.

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Inventur im Club der toten Dichter und Denker

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„Wir haben die Lande gemessen, die Naturkräfte gewogen, die Mittel der Industrie berechnet, und siehe, wir haben ausgefunden: daß diese Erde groß genug ist; daß sie jedem hinlänglich Raum bietet, die Hütte seines Glückes darauf zu bauen; daß diese Erde uns alle anständig ernähren kann, wenn wir alle arbeiten und nicht einer auf Kosten des anderen leben will; und daß wir nicht nötig haben, die größere und ärmere Klasse an den Himmel zu verweisen.“ Heinrich Heine, 1836


Es wird erzählt, man habe die Werke des Aristoteles in der antiken Bibliothek von Rhodos in einer bestimmten Reihenfolge einsortiert: vorne die naturphilosophischen Bücher, dahinter (griechisch „meta“) die über die Physik hinausgehenden Theorien, die man darum fortan „meta ta physika“ nannte. Wer weiß, ob’s stimmt, aber so hatten die Dinge schon mal ihre literarische Grundordnung. Überhaupt: kein schlechtes Bild, sich die Welt als Bibliothek vorzustellen. Ein stetig wachsender, unendlicher Speicher von Beschreibungen, Hypothesen und Beweisführungen, ein Gedächtnis der menschlichen Erfahrung und Erkenntnis. So faszinierend, dass sich mancher gar nicht mehr auf die reale Welt einlassen mag, die im metaphysischen Sinne genauso virtuell ist wie ein Computerspiel – eine Projektion, eine Vorstellungswelt eben.

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Die Schönheit im Auge des Betrachters


Manchmal hat man Mühe, die banalen Bilder aus dem Kopf zu bekommen. Es gibt aber auch Momente, wenn plötzlich etwas Edles aus dem Nichts auftaucht, etwas das es eigentlich nicht gibt, und sich doch im Kopf zusammenfindet. Und sich wieder zerstreut. Wie in dieser Rasterfahndung nach Echnatons Gemahlin. So eine geraubte Schönheit der Kunstgeschichte. Wem gehört sie nun wirklich?

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Modernismus und Romantik

Blick von Grafenwerth auf den Drachenfels


Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss. Der romantischste Fluss Deutschlands ist der Rhein und der meist bestiegene Berg Europas ist der Drachenfels mit seiner sagenhaften Aussicht. Hier oben, an die malerische Burgruine gelehnt, mit weitem Blick über das imposante Tal des Stromes, sieht unsere Zukunft verheißungsvoll aus und aus nebulösen Träumen werden klare Pläne. So jedenfalls ist die bürgerliche Vorstellung im 19. Jahrhundert, von der sich vieles in unserer Mentalität erhalten hat. Die Bewegung der deutschen Romantik ist ja eine kulturelle Reaktion auf die Industrialisierung mit ihren radikalen Veränderungen des Arbeitslebens. Trotz der unglückseligen neuen Wirtschaftsform des Kapitalismus nährt sie die Hoffnung auf Fortschritt und Freiheit. Eine Ironie der Zeitgeschichte: der moderne Mensch mit seinen zwei Seelen entstammt dem bürgerlichen Biedermeier.

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In der Ruhe liegt die Kraft

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Gelobt sei das lautlose Getriebe – oder die „silent efficiency“ wie man heutzutage sagt. Dass dieser geniale Arbeitsstil so wenig Beachtung und Anerkennung findet, liegt naturgemäß daran, dass er stetig, verlässlich, also unauffällig und zugleich geräuschlos ist – weil Menschen mit diesem Arbeitsstil keinen großen Wirbel machen. Und da (nicht nur) in unserer Branche die Spruchbeutel immer noch am meisten Geld verdienen und darob die größte Aufmerksamkeit genießen, muss man sich manchmal selbst auf die Schulter klopfen und darf sich nicht die eigene Statistik kleinreden lassen. Denn ohne Zweifel profitiert unsere Volkswirtschaft enorm von ihren Heinzelmännchen. Und das Kölner Märchen lehrt uns ja, wie Argwohn und Missachtung das System gefährden.

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