Drive My Car

Alter Volvo auf der Rheinfähre mit Drachenfels


Man bildet sich eine Meinung über die progressive Welt im Allgemeinen stets in Bezug auf die eigenen Bedürfnisse im Speziellen. Und geht seinen Ansichten dennoch selten auf den Grund, meistens nur gezwungenermaßen, also im konkreten Fall, wenn etwas kaputtgeht, das man nötiger hat, als man sich eingestehen will – beispielsweise ein Auto. Auch wenn man einen völligen Verzicht in der Theorie nie kategorisch ausschließt, weil Verzichtserklärungen im modernen Sprachgebrauch gerne mal als kokette Floskel der Selbstlosigkeit eingestreut werden.

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„Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest“


Das zierliche Kunstwerk oben im Bild habe ich letztes Jahr beim Heckenschneiden gefunden und wie ein Exponat aufgehoben. Da war die Brutzeit längst passé, wir achten da sehr drauf, dass hier kein Piepmatz in der Schonzeit zu Schaden kommt. Die neue Generation ist also längst flügge und die verlassene Kinderstube ist somit für den Kunstbetrieb freigegeben. Und während ich mich über dieses geschnäbelte Symbolobjekt eines sich reproduzierenden Familienlebens freue, verheddern sich meine Gedanken beim eintönigen Gartengeschnippel ins Wörtergespinst des „Wintermärchens“, hangeln sich rund um diesen einen Vers mit der fröhlich-trotzigen Metapher:



„Und viele Bücher trag ich im Kopf! / Ich darf es euch versichern,
Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest / Von konfiszierlichen Büchern.“


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Schein, Sein und Design

„Alles vergeht“, … sagt das Spieglein an der Wand.


Wenn die Wahrnehmung kippt, kippt auch die Stimmung. Dann dauert es eine Weile, bis man zu seiner wohltemperierten Laune zurückfindet. Auch (oder vielleicht sogar insbesondere) der künstlerische Hallodri ist sich oft genug des Ernstes der Lage bewusst. Neulich hätte ich mein Leben beinahe leichtfertig und abrupt beendet. Ist aber nix passiert. Anstatt als Radfahrer unter die Räder eines Lastwagens zu geraten, landete ich ersatzweise in einer staubigen Hecke. Solange mich meine geprellte Hand noch wehleidig daran erinnert, bin ich mir meines Glücks täglich bewusst.

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Münchhausens Geburtstag

Footage: AdobeStock


Heute hätte der Baron von Münchhausen Geburtstag und weil ich in letzter Zeit mit rollenden Kugeln beschäftigt war, fällt mir spontan eine Szene aus diesem Ufa-Film mit Hans Albers ein, der einige patzige Anspielungen hat, was gar nicht so auffällt, weil man hinter der Nazi-Propaganda bestimmt keinen oppositionellen Geist vermutet. Allerdings hatte das Drehbuch ein Erich Kästner verfasst und der war geübt darin, mehrdeutige Texte abzuliefern. An einer Stelle philosophiert der Baron über Billiard², aus der Perspektive der Kugel, die keine Ahnung hat, was mit ihr passiert:

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Fußball als Realitätsmodell?

Foto: AdobeStock


Im Gegensatz zum Soziologen Klaus Theweleit, der in seinem klugen Essay „Tor zur Welt – Fußball als Realitätsmodell“, den Fußball als gesellschaftliche Referenz in seinem Leben beschreibt, ist dieser Sport für mich mit dem Erwachsenwerden kein ideeller Bezugspunkt geblieben. Das teils manische Gehabe der Ultras, die absurden Millionengagen der Spieler, überhaupt der durchlizenzierte bis mafiöse Markt erschienen mir nicht gerade bewundernswert. Axel Hacke hat in seinem empathischen Buch „Fußballgefühle“ erklärt, dass er den Begriff Fußballfan gerne ersetzt durch den alten Begriff seiner (und meiner) Jugend. Damals hieß es einfach Fußballfreund, der hat nicht diese bescheuerte Tifosi-Aura und so steht es auch mehrfach in meinem alten Album.

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Matchball – wie der Zufall so spielt

Fotovorlage: AdobeStock


Rote Asche und der heilige Rasen von Wembley

Zwar sind 1966 schon längst die modernen schwarz-weißen Bälle im Einsatz, weil das Design mit sechseckigen und fünfeckigen Patches für die SW-Fernsehübertragungen deutlich besser ist. Doch England, das Mutterland des Fußballs, besteht bei seiner WM noch auf den klassischen, braunen Lederball. Einen echten, genähten Fußball mit Gummiblase hat kaum einer von uns Jungs. Deshalb bin ich sehr stolz, als ich dieses englische Teil geschenkt bekomme. Allerdings ist der Ascheplatz eher schädlich, die schöne Oberfläche ist schnell zerschrakelt. Und dann hat man auch die Angewohnheit sich in Spielpausen draufzusetzen. Danach eiert das Ding und lässt sich nie wieder in Form bringen. Die Liebe zum Fußball ist also objektfixiert und selbst ein „Legionär“ wie Haller wird in der Not zum kleinen Jungen, der in kindlichem Instinkt seinen Ball mit nach Hause nimmt.

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Das Album 65/66



Wie gesagt, einiges lässt sich zur Not aus dem eBay-Backup wiederherstellen. In der Sammlerszene werden zum Teil verrückte Preise verlangt, bei diesem günstigen Angebot konnte ich nicht nein sagen. Und meine fußballgeprägten Söhne sind beeindruckt, vor allem davon, dass der FC Bayern und Gladbach als Aufsteiger gelistet sind. Verrückt, wie genau man sich an manche Figuren und Gesichter erinnert, obwohl das alles wohl ohne jeden Nutzen im Hirn archiviert wurde. Und so bastele ich mir diese Galerie hauptsächlich zum nutzlosen, eigenen Plaisir. Alles in allem ein charmanter Vintage-Look, Papier und nachgedunkelter Klebstoff sind immerhin 50 Jahre alt.

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Souvenirs 65/66

Foto: IMAGO / Horstmüller


Gerade, wenn der Moment so gar nichts Tröstliches bietet, dann greift man gerne reflexhaft nach einem positiv aufgeladenen Relikt. Dazu oben im Bild eine beispielhafte Situation. Der Mann mit der Nummer 8 ist Helmut Haller. Er hat gerade gegen England ein sehr berühmtes WM-Finale verloren und erwidert nun respektvoll den Handshake der strahlenden Queen. Vorher hat er sich den Spielball geschnappt, den er als Souvenir nicht mehr hergeben wird. Schwacher Trost?

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Lucy in the Sky with Diamonds

Foto: IMAGO / Everett Collection


Eigentlich müsste es für die nächste Zeit genug sein mit meinen weltsprachlichen Überschriften, mit diesem Denglisch in Wort und Geist. Vielleicht sollte man sich vorerst nur der eigenen Sprache bedienen, statt weiter am transatlantischen Auslaufmodell festzuhalten. Das Problem ist nur, dass sich John Lennons Wortkunst einfach nicht adäquat übersetzen lässt. Außerdem brauche ich heute ein bisschen Flower Power, in nostalgischer Rückbesinnung auf eine Zeit, in der mir Englisch noch progressiv erschien und poetisch verschlüsselt eine rosige Zukunft versprach.

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Bad Vibrations

„Maskottchen“ des Simplicissimus von T. T. Heine


Die Beach Boys hatten mit Good Vibrations ihren für mich coolsten Hit. Dabei geht der Titel auf eine Kindheitserinnerung des Bandleaders Brian Wilson zurück. Bei der Begegnung mit einem aggressiven Hund erklärt ihm seine Mutter die Sache mit den „Vibes“. Möglicherweise würde der Hund andere Leute gar nicht anbellen, es liege stets an den eigenen Schwingungen. Das dürften sich heute auch die Delegierten im Münchner Bayerischen Hof gefragt haben, als US-Vize Vance mit seinen aggressiven Phrasen hinter dem Rednerpult räsonierte. Devise: immer souverän bleiben! Und als Reaktion darauf vernehmlich zu knurren war schon mal ein Anfang. Dank an Boris Pistorius!

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