Lucy in the Sky with Diamonds

Foto: IMAGO / Everett Collection


Eigentlich müsste es für die nächste Zeit genug sein mit meinen weltsprachlichen Überschriften, mit diesem Denglisch in Wort und Geist. Vielleicht sollte man sich vorerst nur der eigenen Sprache bedienen, statt weiter am transatlantischen Auslaufmodell festzuhalten. Das Problem ist nur, dass sich John Lennons Wortkunst einfach nicht adäquat übersetzen lässt. Außerdem brauche ich heute ein bisschen Flower Power, in nostalgischer Rückbesinnung auf eine Zeit, in der mir Englisch noch progressiv erschien und poetisch verschlüsselt eine rosige Zukunft versprach.

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Bad Vibrations

„Maskottchen“ des Simplicissimus von T. T. Heine


Die Beach Boys hatten mit Good Vibrations ihren für mich coolsten Hit. Dabei geht der Titel auf eine Kindheitserinnerung des Bandleaders Brian Wilson zurück. Bei der Begegnung mit einem aggressiven Hund erklärt ihm seine Mutter die Sache mit den „Vibes“. Möglicherweise würde der Hund andere Leute gar nicht anbellen, es liege stets an den eigenen Schwingungen. Das dürften sich heute auch die Delegierten im Münchner Bayerischen Hof gefragt haben, als US-Vize Vance mit seinen aggressiven Phrasen hinter dem Rednerpult räsonierte. Devise: immer souverän bleiben! Und als Reaktion darauf vernehmlich zu knurren war schon mal ein Anfang. Dank an Boris Pistorius!

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Culture Club – Members Only

Groucho Marx · Alamy Stock Foto


„I don't care to belong to any club that will have me as a member.“
Groucho Marx



Die Vereinigten Staaten haben sich, unter der Führung eines sehr, sehr groben Kerls, entschlossen, mit der „Wokeness“ aufzuräumen. Das ist in seiner Radikalität so dumm wie verständlich, denn die Masse hatte mit Wokeness noch nie was am Hut. Also schlägt das Imperium, bedrängt von den eigenen Idealen, zurück und schwuppdiwupp, ist man in der Entwicklung wieder ein paar Jahrzehnte nach hinten gerutscht. Übergeschnappte Milliardäre streichen kurzerhand zig Milliarden für humanitäre Hilfe und missliebige Integrationsprogramme. Solche krassen Einschnitte sind mir in meiner Lebenswirklichkeit noch nicht untergekommen, aber das will ja nichts heißen.

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Jugendstil – Made in Munich

In der Ausstellung am 2. Weihnachtstag 2024


Gelegentlich muss man sich im Design für den flüchtigen Wert von Schönheit rechtfertigen, weil der Begriff als beliebig und geschmacksabhängig gilt und ungern als logisches Argument akzeptiert wird. Ich habe zu diesem Thema sogar eine extra Landingpage verfasst, um nach Bedarf selbst nachlesen zu können, sollte ich doch noch an der Sache zweifeln. Und in der Tat stellt mich der Jugendstil auf eine Probe, wenn ich durch die aktuelle Ausstellung gehe und fürchte, dass hier wieder einmal alles zu schön ist, um wahr (gewesen) zu sein. Ich habe mich oft gefragt, ob dieses Misstrauen vielleicht damit zusammenhängt, dass man die wunderbare Kunst des Jugendstils nicht losgelöst sehen kann, von dem was zeitlich danach passiert, wenn der schöne Traum platzt.

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welcome to the human race!


Die Ampelmännchen haben ihre Schuldigkeit getan, die Ampelmännchen können gehen. Sorry, noch ein zynischer Witz bei all dem chaotischen Gezänk jetzt. Aber Dreiecksbeziehungen entwickeln nun mal keine friedliche Gruppendynamik, das kann man sich einfach nicht schönreden. Das Foto oben ist übrigens vor langer Zeit im Deutschlandmuseum in Berlin auf einer Abgeordnetenfahrt entstanden. Damals waren wir alle noch fröhlich und unbeschwert und auch ein kleines bisschen stolz auf unsere politische Kultur – das ist jetzt 10 Jahre her und fällt sogar in die eher uninspirierte Merkel-Ära, aber das nervige Gejammer und die Dauerempörung der deutschen Volksseele waren noch nicht so penetrant wie heute. Tragische Erkenntnisfrage: Gerät eine Demokratie ins Wanken, wenn man sie ernst, sozusagen wörtlich nimmt? Die Herrschaft des gesamten Volkes senkt dann wohl gefährlich das an sich bereits labile Bildungsniveau. Klingt schon wieder zynisch, ist aber so.

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Countdown – As SLow aS Possible

Foto: AdobeStock


Das Jahr ist vorbei. Kurz vor Redaktionsschluss fällt mir noch einiges aus der „Fließenden Welt“ ein, „schwappt“ buchstäblich rüber ins neue Jahr, vor allem dieser „Fluxus-Kram“. Unser scheidender Kanzler würde wohl „Tünkram“ dazu sagen. Für mich ist genau das noch ein wichtiger Puzzlestein, der zeigt, wie Kunst und Kultur dynamisch in Bewegung bleiben. Letztlich erklärt sich vieles von selbst, wenn man sich an den Grund für künstlerisches Wirken erinnert: Kunst macht man, weil es einen drängt, der Fantasie nachzugehen, im Idealfall, weil man sein vermeintlich zweckloses Tun genießt. Auf diesen einfachen Nenner gebracht, sind sich die Menschen auf der ganzen Welt sehr ähnlich. Und darum sind auch über die Jahrhunderte und die Kontinente hinweg die Geister in eigener Mission unterwegs und, wenn’s gut läuft, im friedlichen Austausch. Die Avantgarde vorneweg.

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Hokusai und der heilige Berg Fuji

Bildquelle WikimediaCommons


„Schon mit sechs Jahren war ich davon besessen, die Form der Dinge zu skizzieren. Nach meinem 50. Lebensjahr machte ich eine Reihe von Grafiken, aber alles, was ich vor meinem 70. produziert habe, ist der Rede nicht wert. Im Alter von 73 lernte ich schließlich etwas über die wahre Natur von Tieren, Insekten, Fischen und über das Wesen der Pflanzen und Bäume. Deshalb werde ich im Alter von 86 wohl mehr und mehr Fortschritte erzielt haben, mit 90 werde ich dann noch tiefer in die Bedeutung der Kunst eingestiegen sein. Im Alter von 100 werde ich einen exzellenten Rang erreicht haben, und mit 110 werden jeder Punkt, jede Linie ein eigenes Leben haben. Ich hoffe nur, dass einige Leute so alt werden, um den Wahrheitsgehalt meiner Worte zu erkennen.“ – Hokusai, japanischer Grafiker


Katsushika Hokusai, wurde in der Tat knapp 89 Jahre alt, was zu seiner Zeit eine bemerkenswerte Leistung ist. Japans Weltstar unter den Malern und Grafikern, geboren 1760 in Edo (Tokyo), war also an der Grenze zu seinem 70. Lebensjahr, als er zwischen 1830-31 die Welle von Kanawaga schuf – demnach kann man aus seiner Einschätzung dieses Werk in seiner Qualität gelten lassen.

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Lee Miller, Photographer, 1907-1977

Quelle Wikimedia Commons


Lee Miller taucht in der Kunstgeschichte zuerst am Rande auf, als Model, Muse, Gefährtin und Assistentin von Man Ray, steht wie manche andere Frau im Schatten einer männlichen Berühmtheit. Allerdings verfügt Lee Miller neben ihrer Begabung als Fotografin und Texterin zusätzlich über eine absolut erstaunliche Antriebskraft und innere Unruhe, die sie einerseits in höchste Gefahr bringt, letztlich aber zu einer der wichtigsten Journalistinnen im Weltkrieg II macht. Lee Miller durchmisst mit ihrem jungen künstlerischen Leben das gesamte Spektrum von Kunst, Boheme und mondäner Modewelt bis tief in das grauenhafteste Szenario des Krieges.

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Die Theorie der Dummheit

KI-Foto: AdobeStock


„Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit“, so Ödön von Horváth in der Einleitung zu seinen berühmten „Geschichten aus dem Wiener Wald“. Der österreichisch-ungarische Literat verstand Dummheit als Stumpfheit und narzisstische Kommunikationsstörung, die sich in selbstgefälligen Phrasen und absurder Logik mitteilt. Man würde sich wünschen, so schlimm wie zu Horváths Zeit wäre es heute nicht mehr – leider ist es viel schlimmer.

Am Ende bekommt jedes Volk die Regierung, die es verdient, heißt es zynisch. In Demokratien stellt sich derzeit die Frage, wer das Volk vor sich selbst oder zumindest die eine Hälfte vor der anderen in Schutz nimmt, oder abstrakter formuliert, wer ein auf Freiheit, Gleichheit und Solidarität angelegtes Gesellschaftssystem vor groben Missbräuchen bewahrt. Nun haben sich in den USA die größten Kotzbrocken an die Spitze dieser übergeschnappten Maga-Bewegung gesetzt und das Volk ist im Freudentaumel. Wie konnte man diese eklatante Rückständigkeit nur übersehen?

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Flatliners – dem Himmel so nah?

Ausschnitt – Bildquelle WikimediaCommons


Als römisch-katholischer Knirps war man gewohnt, an Allerheiligen oder Allerseelen mit der Familie auf den Dorffriedhof zu gehen, stets im Dunkeln, wegen der Lichterromantik, und zudem in Vorfreude auf den heiteren Laternenumzug zwei Wochen später zu St. Martin. Wenn ich heute vom Münchner Westfriedhof komme, dann scheint die Welt doch eher beklemmend und so reproduziere ich ganz gerne etwas von der naiven Nestwärme aus der Kindheit, was immer gut ist für die schwachen Nerven eines lebenserfahrenen Erwachsenen. Der begleitende Atheismus wird daneben zunehmend trostloser und wohl auch darum gibt es in letzter Zeit immer mehr jene publizistischen Versuche, für ein „Leben“ nach dem Tod eine wissenschaftliche Perspektive anzubieten.

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