Wozu hat man sein Talent?

Wenn Kinder denselben Beruf ergreifen wie die Eltern, ist das für beide Seiten nicht grundsätzlich von Vorteil. Obwohl es im Handwerk, und dazu zähle ich unser Metier, eine überaus wirkungsvolle Tradition gibt, bleiben doch immer auch Zweifel um die Rollenverteilung innerhalb der Familie. Nun haben wir also schon den nächsten Grafikdesigner in der Familie, was von außen dann doch etwas anders taxiert wird, als das vielleicht bei Rechtsanwälten, Zahnärzten oder Bauunternehmern der Fall ist. Denn künstlerische Begabungen werden von besorgten Eltern gerne und geflissentlich übersehen – wenn’s ernst wird. Dabei sollte man eher stolz darauf sein, dass Kinder brauchbare Talente geerbt und Spaß daran haben, damit Ihr eigenes Leben zu gestalten.

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Funkstille – drei Gedenkminuten

Wie besiegelt man das Ende von 12 Jahren Terror auf knapp zwei DIN-A4-Seiten? Beim Besuch des Deutsch-Russischen Museums in Karlshorst halte ich kurz das Smartphone über die Vitrine. Darin die wichtigste Urkunde seit dem Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück. „Diese Erklärung ist in deutscher, englischer und russischer Sprache abgefasst. Allein massgebend ist die englische und russische Fassung.“

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Aerial Views von Bernhard Lang

Als Bernhard Lang vor Jahren neben seiner kommerziellen Arbeit die Welt von oben entdeckte, nahm er sich damit als Fotograf die Freiheit, die einem die Kunst nur dann gewährt, wenn man das Spekulative völlig außer Acht lässt.

Seit er nun immer mehr Erfolg damit hat, wird er nach Erklärungen und Botschaften befragt. Verständlich, aber überflüssig, denn seine Fotografien sind keine Werke, die über eine Legende auflöst werden müssten. Der Zauber liegt wieder ganz im Auge des Betrachters. Langs Motive beeindrucken durch ihre Klarheit und immer wieder neue Strukturen.

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Okay Google, wo ist der nächste Briefkasten?

Wer fühlt sich von Google nicht beobachtet? Den Meisten ist das mittlerweile zwar vollkommen egal, aber drehen wir doch einfach mal den Spieß um und beobachten Google! Was die selbst so treiben, um ganz oben zu bleiben. Schon mal aufgefallen, wie viel Papierpost man als Kommunikationsprofi von Google bekommt? Die kaltschnäuzige Datenkrake ist nämlich eine treuherzige Brieffreundin.

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Once Upon a Time in the West

Vor 70 Jahren gelingt den Amerikanern, mit der unverhofften Eroberung der fast unbeschädigten Rheinbrücke bei Remagen, deutlich früher als geplant die Überquerung und damit das Vorrücken ins Zentrum Deutschlands. Am 17. März stürzt die Brücke zwar ein, strategisch ist die Lage aber unter Kontrolle und zwei Monate später ist der Spuk vorbei. Die Brücke hat ihre Schuldigkeit getan und wird nie wieder aufgebaut.


Mit dem Ende der Aggression besteht die Chance zur Kommunikation. Und die Amerikaner haben sich gewissenhaft, respektvoll und vorausschauend auf diesen Moment vorbereitet. Nachzulesen ist das im „Pocket Guide to Germany“, den damals jeder GI im Gepäck hat.

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Zeichner verteidigen die Meinungsfreiheit

Quint Buchholz ist wohl zu Recht einer unserer beliebtesten Buchillustratoren. Für meinen Geschmack hat das zwar immer etwas zu wenig Konturenschärfe, aber eins muss ihm der Neid lassen: seine Einfälle sind stets intelligent und in ihrer stillen Art poetisch und packend zugleich. Heute in der Süddeutschen gab es ein besonders schönes Motiv, das muss ich unbedingt konservieren.

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Jan Tschichold – Double Feature

Entweder so: Jan Tschichold, der frühreif-revolutionäre Typograf mit dem wertkonservativen Spätwerk, war mir immer etwas suspekt. Vor allem, weil in meinem orthodoxen Studium ausschließlich dessen klassisches Werk gepredigt wurde. Völlig unverständlich für einen jungen Menschen, was an diesem Buchstabengeschiebe so besonderes sein sollte. Des Rätsels Lösung: das Besondere lag einfach nicht mehr in der Absicht des alten Meisters. Tschicholds Publikationen boten den Studierenden ergo keine Lösungen, sondern waren Teil des Problems oder zumindest die größten Bremsklötze im Typografiestreit der Moderne.

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Zu Lande, zu Wasser und in der Luft

Die Erinnerung ist eine Laune der Natur und wer versucht, Glücksmomente zu reproduzieren, indem er sich DVDs seiner vorzeitlichen Kultfilme beschafft, wird nicht selten enttäuscht. Warum ist das so? Sind da etwa, heimlich, still und leise die eigenen Ansprüche gewachsen? Ich komme darauf, weil sich mir natürlich der Vergleich aufdrängt zwischen Mike Leighs aktuellem Film über William Turner und dem von Peter Schamoni über Caspar David Friedrich. Hat mich im Jahr 1986 als Kinofilm begeistert, reloaded auf dem iPad, wirkt der ganze Dreh und die Dialoge doch etwas betulich und altklug.

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Zum Quadrat – eine Meditation

Über elementare Grundformen nachzudenken hat was von Meditation. Wer die Muße aufbringt, sich auf das Wesentliche einzulassen, kann seine Gedanken neu ausrichten und damit die Fantasie mobilisieren. Also, ganz entspannt bleiben, nicht gleich wieder das Konkrete suchen! Es lohnt sich, Ideen frei und abstrakt zu entwickeln, um sie dann erst Gestalt annehmen zu lassen.

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Mr. Turner – Meister des Lichts

Mike Leigh hat die letzten Jahre im Leben des Joseph Mallord William Turner verfilmt. Ein überlanger, eindrucksvoller Kinofilm mit großartiger Fotografie, beschaulich und anekdotisch, authentisch und ein wenig trostlos – Turners Leben war wohl so.

Der Film beginnt mit tiefgründiger Szenerie: morgendlicher Dunst über flämischer Flusslandschaft mit Mühle. Zwei Mägde nähern sich schwatzend. Als sie durch Bild gehen, kommt am anderen Ufer im Gegenlicht die Schattenfigur eines korpulenten Zeichners mit Zylinder ins Blickfeld. Sie gehen vorbei, ohne ihn wahrzunehmen. Turner, in die Arbeit vertieft, einsam auf weiter Flur.

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