Kreuzzug der Schafsköpfe

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Auch heute sammelt sich in Dresden wieder eine kleine Herde von gelangweilten Zeitgenossen, um schwarzrotgoldene (?!) Kreuze zu tragen. Was müssen diese drei Farben nicht noch alles aushalten? Schade um das prachtvolle Elbflorenz, jetzt zum Wallfahrtsort politischer Hinterwäldler zu werden – noch dazu am symbolhaften Montag. Peinlich.

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Zeichen und Wundertüten

Das Erscheinungsbild der Liberalen gibt es seit gestern in lustigen Farben. Was haben die nicht alles schon ausprobiert, um auf sich aufmerksam zu machen? Und immer wieder ist sie gleich verpufft, die heiße Luft. Und die gute Laune. Dabei gibt es in deren eigenen Reihen ein wackeres Fähnlein von PR-Fachleuten, Medienexperten und Unternehmensberatern und trotzdem mag ihnen kaum jemand die keck werbenden Botschaften abkaufen. Jetzt dieses typografische Knallbonbon. Ist es nicht fast ein bisschen traurig, dass diese Beratervölkchen sich selbst nicht zu helfen weiß mit seiner Beraterei?

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Der Geist vom Paulusplatz

Zu meinen schönsten Erfahrungen gehört, in einem richtigen Musentempel studiert zu haben. Eine Kunstschule wie gemalt, mitten in einer sehr alten, sehr schönen, sehr provinziellen Stadt. Meine sentimentale Rückblende bezieht sich mehr auf den Geist des Ortes, weniger auf das Personal anfangs der achtziger Jahre. Es war die umständliche Zeit vor der Erfindung des Macs, unsere Professor(inne)n, mit Verlaub, doch ziemlich hinterm Mond und wir Studierenden plagten uns noch mit Ziehfedern. Alles dauerte ewig und brachte nicht viel ein. Keiner wollte mehr grafisch so arbeiten wie früher und so wie heute ging's eben noch nicht. Richtig gutes Design hat sich unsereins später selber beibringen müssen. Finde ich aber nicht schlimm. Ging ja allen so.

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Kleiner Neujahrszauber

Alles auf Anfang! Das Thema Symbolismus von gestern macht ja nicht wirklich euphorisch. Zum Glück gehören zum magische Dreieck des Jugendstils noch das blumige Ornament und Liebe zur Natur. Also raus in Licht, Luft und Sonne! Dieser erste Januar ist ideal, um eine gemütvolle Weihnachtsmelancholie aufzulösen. Und die Lebensgeister tanzen wieder durch den Park.

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Von Scheinwelten und tragenden Brücken

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Die Kraft der Zeichen und Symbole ist uns ständig bewusst, aber nie ganz geheuer. Wenn der Mensch keine klaren Fakten hat, dann will er orakeln, deuten und spekulieren. Allerdings empfinden wir im Ungewissen je nach persönlichem Temperament sehr unterschiedlich. Und damit ist die Welt der Symbolik variabel für diffuses Wunschdenken und Illusionen oder eben Sorgen und Ängste. Das kann man künstlerisch sublimieren oder werblich instrumentalisieren. Die Frage ist, wie weit unsereins das Spielchen treibt und ab wann man sich möglicherweise mehr Misstrauen und Ablehnung einhandelt, anstatt die gewünschte Aufmerksamkeit und Begeisterung zu erzielen.

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Inventur im Club der toten Dichter und Denker

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„Wir haben die Lande gemessen, die Naturkräfte gewogen, die Mittel der Industrie berechnet, und siehe, wir haben ausgefunden: daß diese Erde groß genug ist; daß sie jedem hinlänglich Raum bietet, die Hütte seines Glückes darauf zu bauen; daß diese Erde uns alle anständig ernähren kann, wenn wir alle arbeiten und nicht einer auf Kosten des anderen leben will; und daß wir nicht nötig haben, die größere und ärmere Klasse an den Himmel zu verweisen.“ Heinrich Heine, 1836


Es wird erzählt, man habe die Werke des Aristoteles in der antiken Bibliothek von Rhodos in einer bestimmten Reihenfolge einsortiert: vorne die naturphilosophischen Bücher, dahinter (griechisch „meta“) die über die Physik hinausgehenden Theorien, die man darum fortan „meta ta physika“ nannte. Wer weiß, ob’s stimmt, aber so hatten die Dinge schon mal ihre literarische Grundordnung. Überhaupt: kein schlechtes Bild, sich die Welt als Bibliothek vorzustellen. Ein stetig wachsender, unendlicher Speicher von Beschreibungen, Hypothesen und Beweisführungen, ein Gedächtnis der menschlichen Erfahrung und Erkenntnis. So faszinierend, dass sich mancher gar nicht mehr auf die reale Welt einlassen mag, die im metaphysischen Sinne genauso virtuell ist wie ein Computerspiel – eine Projektion, eine Vorstellungswelt eben.

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Die Schönheit im Auge des Betrachters

Manchmal hat man Mühe, die banalen Bilder aus dem Kopf zu bekommen. Es gibt aber auch Momente, wenn plötzlich etwas Edles aus dem Nichts auftaucht, etwas das es eigentlich nicht gibt, und sich doch im Kopf zusammenfindet. Und sich wieder zerstreut. Wie in dieser Rasterfahndung nach Echnatons Gemahlin. So eine geraubte Schönheit der Kunstgeschichte. Wem gehört sie nun wirklich?

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Modernismus und Romantik

Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss. Der romantischste Fluss in Deutschland ist der Rhein und der meist bestiegene Berg Europas ist der Drachenfels, mit seinem sagenhaften Ausblick. Angelehnt an eine malerische Burgruine, mit weitem Blick ins imposante Flusstal, sieht die Zukunft verheißungsvoll aus und aus nebligen Träumen werden klare Pläne. So war jedenfalls die bürgerliche Vorstellung im 19. Jahrhundert, von der sich vieles in unsere Mentalität verirrt hat. Denn die Bewegung der deutschen Romantik ist eine kulturelle Reaktion auf die Industrialisierung mit ihren drastischen Veränderungen im Arbeitsleben, die trotz der unseligen neuen Wirtschaftsform des Kapitalismus, die Hoffnung auf Fortschritt und Freiheit nährt. Der moderne Mensch mit seinen zwei Seelen entsteht im spießigen Biedermeier.

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Das Korrekturen-Enigma

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„Seite 82 oben, zweite Spalte, vierter Absatz, dritte Zeile: bitte Gedankenstrich hinter dem zweiten Wort von links einfügen!“

Korrekturen einarbeiten im Jahr 2014 kommt mit manchmal vor wie Schiffe versenken in meiner Grundschulzeit. Wie Alan Turing auf den Spuren der Enigma, so hat unsereins den E-Mail-Korrekturode zu knacken. Dabei bräuchte man einfach nur neben das Falsche das Richtige schreiben, vielleicht sogar mit Hilfe von Korrekturzeichen und fertig. Da haben wir so ein feines Betriebssystem, alles für den analogen Erkenntnisapparat des Menschen gemacht. Nur die Leute selbst werden immer mehr selbst zum Scanner und zerlegen ihre Arbeit militärisch kalt in gefühllose Arbeitsschritte. Eine derart verklausulierte Sprache kenne ich wirklich sonst nur von der Bundeswehr. Da spricht man auch gerne mal rückwärts, weil das angeblich logisch ist: „Spaten-Klapp–Feld“ – auch schön.

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Haben Sie manchmal Déjà-vus?

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Im Filmklassiker „Und täglich grüßt das Murmeltier“ lautet die Antwort der bemühten Pensionswirtin: „Normalerweise nicht, aber ich kann ja mal in der Küche nachsehen“. Das ist auf sehr charmante Weise lustig, überhaupt finde ich den ganzen Film witzig und intelligent. Ich hatte sogar kurz die Idee, mich morgens mit „I got you babe“ auf dem Handy wecken zu lassen, schon weil Cher ein erster Jugendschwarm für mich war, aber dann war mir das Experiment doch zu heikel. Wer weiß schon, wie das Unbewusste auf solche Späße reagiert? Das plötzliche Déjà-vu ist ja immer etwas unheimlich – eine seltsam unwirkliche Überlagerung der eigenen Vorstellungswelt mit Fantasien und Erwartungen, diese wahrhaft surreale Doppelbelichtung von Erinnerung und Realität. Manchmal beklemmend, unheimlich, manchmal einfach nur etwas verrückt und schnell wieder vergessen.

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