„So long, and and thanks for all the fish!"


Man geht davon aus, dass Delphine sehr intelligent sind, zuweilen wird sogar die Meinung vertreten, dass sie dem Menschen geistig überlegen sind. Meint zumindest der Autor Douglas Adams, dessen Ironie mich stets wohltuend durch den täglichen Irrsinn der Welt begleitet hat. Denn die Wahrheit kann schon furchteinflößend sein für uns Normalsterbliche, die wir alle als Anhalter durchs dunkle, endlose All geistern. Schließlich beginnt Adams‘ galaktische Fortsetzungsgeschichte damit, dass als allererstes die Erde in die Luft gesprengt wird. Da hatten sich die klugen, sensiblen Delphine bereits vornehm zurückgezogen. Denen war die Menschheit einfach zu blöde, zu gefährlich, überhaupt zu undankbar. – Darum von mir ein vorläufig letzter Dank an die Überreste des intelligenten Lebens in Amerika, insbesondere an Franklin D. Roosevelt!

Franklin Delano Roosevelt, ein steinreicher Mann – sonst wird man ohnehin nicht Präsident der Vereinigten Staaten – wäre vielleicht nicht einer der ganz großen Demokraten der Welt geworden, wenn er durch seine schweren körperlichen Einschränkungen nicht gelernt hätte, sein Leben mit Demut zu führen. Aus deutscher Sicht kann man nur dankbar sein, dass der Zweite Weltkrieg unter seiner besonnenen Führung zu Ende ging und eine Ära des Friedens und Wohlstands begann. Mit seinen vier Amtszeiten und der klugen Politik des „New Deal“ hatte der Mann genau jenes Amerika geschaffen, das die USA und damit die ganze westliche Welt aus der „Great Depression“ geführt hatte. Mit öffentlichen Arbeitsbeschaffungsprogrammen, Sozialreformen und einer intensiven staatlichen Regulierung kurbelte er die Wirtschaft an und linderte die Not der Bevölkerung. Die Devise lautete: Wir probieren alles aus, was Erfolg verspricht, und wenn es nicht funktioniert, dann sind wir schlauer und versuchen etwas anderes – aber wir geben niemals auf!

Vielleicht ist das der Pioniergeist, aber diese Mentalität ist einfach auch das genaue Gegenteil des zänkischen Hickhacks der derzeitigen Auseinandersetzungen, sowohl in der bundesdeutschen Politik als auch in unserer vielfach gespaltenen Gesellschaft. Ganz zu schweigen von dem verbrecherischen Mafiasystem, das sich in den USA immer noch „Administration“ nennt.


Zu einer Zeit, in der man Dekrete noch stilvoll mit Feder unterschrieb und nicht mit Filzstift.
(Bildquelle WikimediaCommons)


„It's the economy, stupid!”

Dieser Begriff aus der Regierungszeit von Bill Clinton ist der eigentliche Kern verantwortungsvoller Regierungsarbeit und dem New Deal nicht unähnlich. Solange es den Menschen wirtschaftlich nicht gut geht, ist alles andere uninteressant. Erst kommt das Fressen, dann die Moral, dann die Umwelt, die Kultur, die Kunst und ganz am Schluss die Bedürfnisse der eigenen Bubble. Das heißt jedoch nicht, dass diese höheren Werte, der Feinschliff sozusagen, im zweiten, dritten, vierten Arbeitsgang unwichtig wären. Aber die Reihenfolge ist entscheidend. Ohne breit verteilten Wohlstand gibt es keine soziale Gerechtigkeit. Materiellen Verzicht bekommt man heutzutage einfach nicht mehr verkauft, wenngleich die Erfolgsgeschichte der römischen Kirchen über Jahrhunderte hinweg das Gegenteil bewiesen haben mag. Nicht zu verwechseln mit dem Kapitalismus calvinistischer Prägung.

Rückblickend war es für Deutschland seit 1945 eine recht unverdiente Glücksträhne, sich von den Amerikanern per Marshallplan aufpäppeln zu lassen, sich unter vernünftigen konservativen Politikern wie Adenauer in die westliche Welt hinein resozialisieren zu lassen und sich unter Willy Brandt vollumfänglich in die Demokratie hineinzuwagen. Die Vereinten Nationen gaben uns das Gefühl, bessere Menschen zu sein, und die NATO ließ uns viel Spielraum zwischen pazifistischer Empörung und dem traumlosen Schlaf, den ein sicheres Bündnis zweifellos bietet.

Das wäre, plakativ zugespitzt, meine Einschätzung der Sachlage. Offengestanden habe ich keine Lust zu beten. Wenn sich allerdings nach den Midterms nichts Entscheidendes ändert, dann war's das mit der Glückssträhne. Dann stehe uns der Himmel bei!

Macht's gut – und noch mal danke für die Demokratie.