Hare Krishna & Calligraphy


Seit ein paar Jahren interessiert sich die breite Masse, darunter vor allem die U21-Fraktion, ernsthaft für so was Unscheinbares wie Typografie. Das wundert und freut uns Schriftgelehrte, hat aber einen einfachen Grund. Um der blöden Handystreichelei einmal etwas positives abzugewinnen: es sind auch die Smartphones, die das Auge für gutes Typodesign schulen. Da hat sich, dank Apple, ein richtig guter Standard eingeführt. Auf kleinstem Raum Inhalte gut strukturieren, nicht nur Lesbarkeit, sondern Leselust erzeugen, dass kann man eben nur mit professioneller Typografie. Wie sensibel der rotznasige User mittlerweile geworden ist, sieht man ironischerweise an Apples iOs 7, an dem dann heftig die blutarme Typografie kritisiert wird.

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„The End of Print – is a book“


Wenn mal wieder der Untergang der Printmedien angekündigt wird, fällt mir spontan dieser Halbsatz von David Carson ein, mit dem wir uns vor Zeiten einen langen Abend über intensiv austauschen konnten. Die Kampagne „Impressions '98“ für unseren Kunden Fedrigoni fand wie üblich einen repräsentativen Abschluss mit dem Vortrag eines prominenten Designers. Das Liberty-Konzept hatte uns bewogen den gelernten Soziologen, Profisurfer und Typofreak Carson einzuladen. Im Frankfurter Sheraton referierte Carson über sein Wunschthema "what paper means to me" und begann seinen Text mit den Worten „The end of print is a book,“ … und in seine Atempause hinein wiederholte meine Frau neben mir leise, aber trotzig „… is a book!“

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Typografie des Terrors?

Ausschnitt Plakat, designgruppe koop


Das Münchner Stadtmuseum hat eine imposante Sammlung der Gebrauchsgrafik, darunter auch Werke einer sonderlichen Plakatkunst, die man mit Fingerspitzengefühl moderieren muss, weil sie noch immer unvermittelt zweifelhafte Botschaften aussenden, sobald sie denn wieder an der Wand hängen. Das Wichtigste überhaupt scheint da erst mal der Titel: „Typografie des Terrors“ klingt politisch korrekt, ist lautmalerisch eingängig, und als Claim zugleich kritisch distanziert. De facto aber ziemlich spekulativ und de jure einfach unwahr – denn wo bitte, terrorisiert hier die Typografie?

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