Zeitgedichte, Zeitgeschichte

Es gibt keinen Dichter, der mich mehr beeindruckt als Harry Heine aus Düsseldorf. Etwas rheinische Seelenverwandtschaft ist vielleicht auch dabei, aber im wesentlichen ist es die ungewöhnlich präsente Sichtweise des Journalisten Heine, sein scharfer, analytischer Verstand, hochgebildet und von brillanter Klarheit im sprachlichen Ausdruck. Plus diese trotzige Ironie, die nur ein Mensch beherrschen lernt, der sich von Leid und Schmerz nicht klein kriegen lässt.

Ein Dutzend seiner „Zeitgedichte“ stellte ich mir als Thema für meine Diplomarbeit zusammen. Es entstand eine bibliophile, überformatige Buchausgabe, in der auch die Sprache bildhaft umgesetzt und die Fraktur von mir mit der Feder handgeschrieben wurde – das war so ein jugendlicher Spleen. Und daneben meine Parallelwelt in Bleistift gezeichnet, stilistisch bewusst in der Romantik hängengeblieben, von der Landschaftsskizze bis zum Totentanz.


Schon so lange her, aber eigentlich immer noch gut und deshalb hier zu sehen.