buchgestaltung – typografie als kunst

Typografie ist die wichtigste Disziplin in der schriftlichen Kommunikation. Insbesondere beim Gestalten von Büchern sind klassische Kernkompetenzen gefragt. Mit geduldiger Detailarbeit, Respekt vor den Inhalten und dem richtigen Maß an Fantasie entsteht die wahre Schönheit dann wie von selbst ;-) … dazu drei Beispiele.

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Beispiel 1: Verlag „Itinerario“ – Konzeption und Masterlayout

Komplette Buchausstattung für einen bibliophilen Reiseführer. Wir entwickeln alle Designstandards und liefern ein Master-Template für die verlagsinterne Produktion. Bei diesem inhaltlich sehr anspruchsvollen Kunst- und Kulturführer durch das zauberhafte Verona bietet sich die Schriftfamilie der Bodoni Old Face an. Eine edle klassizistische Type mit perfekten Auszeichnungsmöglichkeiten, dazu hier und da eine klare Grotesk, im Gesamtbild sehr plakativ gegliedert durch kräftiges Rot. Das buchstäblich „Kleingedruckte“ ist fein strukturiert und macht das eigentliche Lesevergnügen aus. Alles schön aufgeräumt und mit dem obligaten roten Lesebändchen geschmückt. Eine kleine Hommage an den großen italienischen Typografen Giambattista Bodoni.

Thumbnails oben: aus dem InDesign-Master für den Verlag, teils noch mit Blindtext – unten: aus dem Präsentationsprotokoll, die ersten Dummies

Beispiel 2: Die 100 des Jahrhunderts – Coverdesign für eine Buchreihe

Plakativer und natürlich weniger „bibliophil“ – die Ausstattung für eine rororo-Taschenbuchreihe. Immerhin ausgezeichnet von der Stiftung Buchkunst. Wir er-finden, ein typografisches Label das in der Wahrnehmung „ordentlich“ gelesen aber auch reflexhaft verkürzt wahrgenommen werden kann: „100 Politiker“. Im Marketing setzt man auf eine kräftige Ansprache mit leicht erkennbaren, piktogrammhaften Dekors. In der Abfolge ergibt sich im Buchregal eine frische Farbsortierung. Auch hier steht, mit der Verwendung von Paul Renners Futura, ein großer Schriftkünstler Pate.

Die bunte Reihe entwickelt sich über die Jahre weiter – auf Wunsch des Verlags wird das Label später etwas differenziert um den Serientitel deutlicher vom einzelnen Thema zu trennen. Der typografische „Witz“ war damit natürlich etwas relativiert, fällt aber kaum auf.

Beispiel 3: Schulgeschichte – Konzeption, Satz und Layout

Für dieses Werk müssen wir uns die favorisierte Bodoni im Fließtext ertrotzen, denn die Landeshauptstadt München hat er verbindliches Erscheinungsbild, das ausschließlich Adrian Frutigers Univers erlaubt. So intelligent und vielfältig diese Grotesk auch ist, bei über 200 DIN-A-Seiten wäre sie allerdings im einspaltigen Buchsatz eine Zumutung fürs Publikum und überließe den klugen Text einem anonymen Grauwert. Wir verwenden die Univers ausschließlich zur Auszeichnung und finden einen klassisch-modernen Kompromiss, der zum genussvollen Lesen anregt.

Die auf den ersten Blick unspektakuläre Aufgabe hat es in sich. Wir konzentrieren uns ganz auf das Innenleben! Der über zehn Jahre recherchierte Text des Autors verlangt auf unserer Seite viel Aufmerksamkeit und Fleißarbeit – eine typografisch dezente Fußnotenverwaltung bietet wertvolle Quellenhinweise, unterbricht aber nicht den Lesefluss.



Die Grenzen von der modernen Buchtypografie zum Editorialdesign, zum Magazin sind fließend. Unser Portfolio zeigt einige umfangreiche Kataloge und Hefte, die typgrafisch und bildredaktionell sehr hohe Maßstäbe anlegen. Ob Buch, Bildband, Publikums- oder Firmenmagazin, der zugrunde liegende Aufwand ist schlussendlich vielleicht nicht erkennbar, entscheidend ist ausschließlich das perfekte, niveauvolle Ergebnis!

Beste Typografie organisiert, repräsentiert – und imponiert. Schlussendlich sind es handwerkliche Routine und Instinktsicherheit, die professionelle Typografie von einem Zufallsprodukt unterscheiden. Da die Typografie eine sehr defensive Kunst ist, wird sie schnell zum Opfer ungenierter Selbstüberschätzung. Wie Tschichold sagen würde: die Buchkunst ist nichts für ungeduldige Naturen.

„Keine andere Kunst hat mehr Berechtigung, ihren Blick auf die zukünftigen Jahrhunderte zu richten als die Typografie. Denn was sie heute schafft, kommt der Nachwelt nicht weniger zugute als der lebenden Generation …
Möchte doch diese Kunst, sinnvoll, nützlich und schön, wie sie ist, auch immer mit der ihr würdigen Geschicklichkeit und Liebe geübt, mit Geschmack und gutem Urteil gefördert werden …“

Giambattista Bodoni